Atom-Streit : Sarkozy warnt vor Krieg mit Iran

Der französische Staatschef Nicolas Sarkozy zweifelt an einer zivilen Nutzung von Atomenergie durch Iran und befürchtet einen möglichen Krieg. Für ihn ist es nur eine Frage der Zeit, bis das Land "eine militärische Kapazität" erreicht hat.

Paris"Es besteht die Gefahr eines Krieges", sagte Sarkozy in einem Interview mit der französischen Wochenzeitschrift "Nouvel Observateur". Alle seien sich darüber einig, dass es für das umstrittene iranische Atomprogramm "keine zivilen" Gründe gebe. Die Frage sei letztlich nur, ob Iran in einem Jahr oder in fünf Jahren "eine militärische Kapazität" erreiche. Die Geheimdienste der USA hatten Anfang vergangener Woche einen Bericht veröffentlicht, wonach Iran sein Atomwaffenprogramm im Jahr 2003 eingestellt hat.

Er sei niemals für Krieg gewesen, sagte Sarkozy. "Für uns ist das Problem aber gar nicht so sehr, ob sich die Vereinigten Staaten in einen Militäreinsatz stürzen." Vielmehr bestehe die Gefahr, dass Israel seine Sicherheit durch Iran "wirklich bedroht" sehe. Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad erkennt den jüdischen Staat nicht an und bezweifelte wiederholt die Judenvernichtung im Zweiten Weltkrieg.

Für den Fall, dass Iran enger mit dem Westen zusammenarbeite, stellte Frankreichs Staatschef eine Partnerschaft zur zivilen Nutzung der Kernkraftenergie in Aussicht: Wenn die iranische Führung es zulasse, dass die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) die Atomanlagen kontrolliere, sei er bereit, nach Teheran zu reisen und über eine Zusammenarbeit zu reden, sagte Sarkozy.

"Lücken in der Kooperation"

US-Präsident George W. Bush hatte nach dem Bericht der Geheimdienste vergangene Woche erklärt, die islamische Republik sei immer noch gefährlich. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) war sich vergangene Woche bei einem informellen Treffen mit Sarkozy einig, dass Iran weiterhin eine Gefährdung darstelle, wie sie im Anschluss sagte. Es gebe "Lücken in der Kooperation".

Im September hatte Frankreichs Außenminister Bernard Kouchner "vor dem Schlimmsten" gewarnt und gesagt, ein Krieg mit Iran sei nicht ausgeschlossen. Auf der ganzen Welt gebe es derzeit "keine größere Krise" als die um das iranische Atomprogramm, sagte Kouchner. (imo/dpa)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben