Atombericht : UN ermittelt gegen Iran und Syrien

Die UN-Atombehörde IAEA kritisiert die mangelnde Zusammenarbeit der Regierungen im Nahen Osten. Der Iran setzt seine Bemühungen um Uran-Anreicherungen ungebremst fort. Außerdem deuten Indizien auf ein Atomprogramm in Syrien hin.

WienEinem Bericht der UN-Atomenergiebehörde IAEA zufolge hat der Iran sein umstrittenes Atomprogramm trotz internationaler Forderungen nach einer Aussetzung fortgeführt. Teheran habe sich nicht an die Beschlüsse des UN-Sicherheitsrates gehalten und neue Zentrifugen in Betrieb genommen, erklärte die IAEA in einem internen Bericht. Der iranische IAEA-Botschafter Ali Asghar Soltanieh wies die Vorwürfe zurück. Die US-Regierung warf Teheran eine "bedauerliche und enttäuschende" Nichterfüllung internationaler Zusagen vor.

Die IAEA kritisierte zudem, dass sie keine "substantiellen" Fortschritte machen konnte bei ihren Untersuchungen zur Frage, ob das iranische Atomprogramm einem militärischen Zweck dient. Dies liege an der "mangelnden Kooperation" des Irans, heißt es in dem Bericht. "Es herrscht völliger Stillstand", sagte ein UN-Vertreter. Die Situation sei schlechter als im September, als die IAEA ihren bislang letzten Bericht über das iranische Atomprogramm veröffentlicht hatte. Nach Angaben des UN-Vertreters waren am 7. November noch rund 3800 Zentrifugen zur Anreicherung von Uran im Iran aktiv, und 2200 weitere sollen bald in Betrieb genommen werden.

Von Israel zerstörte syrische Anlage könnte Reaktor gewesen sein

Der iranische IAEA-Botschafter Soltanieh wies die Vorwürfe in dem IAEA-Bericht zurück. Das Dokument zeige vielmehr, dass der Iran als "verantwortungsvolle Nation" seine rechtlichen Verpflichtungen vollkommen erfüllt habe, sagte er der amtlichen Nachrichtenagentur Fars. Die Inspektionen würden zudem "ohne Hindernisse" ablaufen.

US-Regierungssprecher Gordon Johndroe warf dem Iran hingegen eine "bedauerliche und enttäuschende" Nichterfüllung von Zusagen vor, die das Land an die IAEA und die Uno gemacht hatte. Dennoch könne der Iran bei Erfüllung der Forderungen mit wirtschaftlichem und politischem Entgegenkommen rechnen. Die USA und ihre westlichen Verbündeten werfen dem Iran vor, heimlich am Bau von Atombomben zu arbeiten. Teheran bestreitet dies und pocht auf sein Recht, als Unterzeichner des Atomwaffensperrvertrags Uran für zivile Zwecke anzureichern.

Auch mit einer mutmaßlichen syrischen Atomanlage beschäftigt sich die IAEA in dem Bericht. Ob die im vergangenen September von der israelischen Luftwaffe zerstörten Anlage El Kibar in der syrischen Wüste tatsächlich für atomare Zwecke genutzt werden sollte, könne noch nicht sicher festgestellt werden, erklärte die IAEA. Die Merkmale des Gebäudes sowie dessen Verbindung zu Pumpen für Kühlwasser ähnelten jedoch denen von Atomanlagen. Die USA warfen Damaskus im April vor, in El Kibar mit nordkoreanischer Hilfe heimlich den Bau eines Atomreaktors betrieben zu haben. Syrien bestreitet den Betrieb einer Atomanlage und spricht von einer nicht mehr benutzten militärischen Einrichtung. (goe/AFP)

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