Atomdeal : Sarkozy: Kein EPR-Reaktor für Libyen

Frankreichs Präsident Sarkozy hat Libyen nach eigenen Angaben nicht die Lieferung eines neuartigen EPR-Druckwasserreaktors zugesagt. Bislang gebe es lediglich allgemeine Vorgespräche über die Produktion von Kernenergie.

Sarkozy
Publikumswirsam joggen in den USA: Nicolas Sarkozy auf Urlaub. -Foto: AFP

Wolfeboro/ParisIn der Debatte um den umstrittenen Bau eines Atomkraftwerkes in Libyen hat der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy die Lieferung eines neuartigen Europäischen Druckwasserreaktors (EPR) zurückgewiesen. "Das ist falsch", sagte Sarkozy an seinem Urlaubsort im US-Bundesstaat New Hampshire. Sarkozy reagierte damit auf einen Bericht der französischen Zeitung "Le Parisien". Laut einem Vertreter des französischen Atomenergiekommissariats CEA bat die libysche Regierung demnach den Atomkonzern Areva, Pläne für den Bau des gemeinsam mit Siemens entwickelten EPR vorzulegen.

Nach der Freilassung der bulgarischen Krankenschwestern durch Libyen hatte Sarkozy Ende Juli der Regierung in Tripolis den Bau eines Atomkraftwerkes in Aussicht gestellt. Es soll Energie für eine Meerwasserentsalzungsanlage liefern. Ein Areva-Sprecher sagte zu dem "Parisien"-Bericht, derzeit liefen "politische Gespräche" über das Vorhaben. Die Industrie sei noch nicht direkt beteiligt. Die durch die Zeitung genannten "vorbereitenden Gespräche" bezögen sich lediglich auf "allgemeine Informationen über die Produktion von Kernenergie".

Entsorgung von Uran-Konzentrat weiter unklar

Der EPR ist ein Kernkraftwerk der so genannten dritten Generation, das leistungsfähiger und sicherer als bisherige Anlagen sein soll. Areva baut mit dem Partner Siemens zur Zeit ein erstes Modell in Finnland. Doch das Projekt ist immer wieder von Rückschlägen geprägt, die das Interesse anderer Länder an dem Reaktor mindern könnten. Am Freitag musste der Netzstart zum vierten Mal verschoben werden. Deshalb geht der Reaktor nun voraussichtlich erst 2011 in Betrieb - gut zwei Jahre später als ursprünglich geplant.

Libyen hatte sein Atomwaffenprogramm im Jahr 2003 als Gegenleistung für die Aufhebung westlicher Sanktionen aufgegeben. Das Interesse der jahrelang wegen der Unterstützung des Terrorismus international geächteten libyschen Regierung an einem Atomkraftwerk hatte breite Besorgnis ausgelöst. Laut britischer Presse zögert das nordafrikanische Land die vereinbarte Beseitigung von 200 Fass Uran-Konzentrat immer wieder hinaus. Das als Yellow Cake vorliegende Material werde immer noch in einer Militärbasis in der Stadt Sabha gelagert, zitierte die britische Zeitung "The Daily Telegraph" informierte Kreise. Das Uran habe einen Wert von 295 Millionen Euro. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) sollte seine Beseitigung beaufsichtigen. (mit AFP)

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