Atomdebatte : Streit um Endlagerstätte für Atommüll

Gesucht wird eine Endlagerstätte für den Atommülll: Soll es Gorleben werden, oder doch eher ein Ort in den südlichen Bundesländern? Diese Frage wird zur Zeit von 300 Experten in Berlin kontrovers diskutiert.

Gorleben
Wohin mit dem Atommüll? Seit die Suche nach einer Endlagerstätte im Salzstock Gorlebens gestoppt worden ist, herrscht...Foto: dpa

Berlin/Gorleben Mitglieder der Umweltorganisation Robin Wood waren am Freitagmittag auf das Dach des Tagungsgebäudes in Berlin-Wilmersdorf geklettert. An der Fassade hatten sie ein Transparent mit Parolen gegen ein Atommüll-Endlager in Gorleben angebracht. In weiße Gewänder gehüllte Demonstranten zogen singend durch das Treppenhaus. In den Räumen stritten sich derweil die Fachleute darüber, ob das nationale Endlager für hochradioaktive Abfälle in Gorleben oder anderswo gebaut werden soll.

Auch am zweiten Tag der Tagung, zu der Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) mehr als 300 Experten aus dem In- und Ausland eingeladen hatte, brachte keine Annäherung der Standpunkte. "Alle Zweifelsfragen sind abgearbeitet, das Moratorium in Gorleben soll aufgehoben werden", sagte Holger Bröskamp. Er ist Geschäftsführer der Gesellschaft für Nuklearservice (GNS), die für die Energiewirtschaft die Atommülltransporte abwickelt.

Keine Einigung in Sicht

Die Arbeiten im Salzstock Gorleben seien im Jahr 2000 unterbrochen worden, um die offenen Fragen zu klären, sagte Bröskamp. "Die Klärung ist erfolgt. Gorleben kann nach dem gegenwärtigen Kenntnisstand als geeignet bezeichnet werden." Für den Fortbestand des Moratoriums gebe es nun keine Gründe mehr.

Nein, es gebe sehr wohl Befunde, die Zweifel am Standort Gorleben begründeten, erwiderte der Geologe Detlef Appel. Er forderte die Untersuchung weiterer Standorte. Es dürfe "keine Entscheidung über ein Endlager ohne Prüfung von Alternativen" geben.

Bayern und Baden-Württemberg lehnen Endlager in Süddeutschland ab

Der Biologe und Theologe Günter Altner bemängelte, die Bevölkerung sei bei den Standortentscheidungen "übergangen" worden. "Das Vertrauen kann nur dann wieder hergestellt werden, wenn die Fixierung auf Gorleben aufgehoben wird", sagte der Wissenschaftler. Bei der Endlagersuche sei ein Vergleich zwischen mehreren Standorten und geologischen Formationen unabdingbar. "Tut man das nicht, setzt man die alte Schlamperei fort."

Gabriel hatte sich bei dem Expertentreffen bereits am Donnerstagabend für ein "ergebnisoffenes und transparentes Suchverfahren" für ein Endlager ausgesprochen. Dabei solle der Salzstock Gorleben mit anderen Standorten verglichen werden. Ein anderer Standort solle aber nur dann ausgewählt und erkundet werden, "wenn er deutliche Sicherheitsvorteile gegenüber Gorleben verspricht". Zuvor hatte Gabriel alternative Bohrungen in anderen Gesteinsformationen als Salz und in Süddeutschland vorgeschlagen, wo die meisten Atomkraftwerke stehen. Die Länder Bayern und Baden-Württemberg haben aber schon abgewunken.

Bundeskanzlerin ist für Endlager in Gorleben

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) drängt derweil auch aus finanziellen Gründen auf ein Endlager in Gorleben. Für die Erkundung des Salzstocks seien schon Milliarden ausgegeben worden, sagte die Kanzlerin unlängst. Sie habe "keine Lust, weitere Milliarden auszugeben".

Umweltschützer von Robin Wood sehen in dem Berliner Treffen schlichtweg eine "Alibi-Veranstaltung, um Gorleben durchzusetzen", wie Sprecher Dirk Seifert sagte. Aktivisten der Umweltschutzorganisation protestierten am Freitag nicht nur in Berlin. Zeitgleich mauerten Mitglieder der Organisation auch den Eingang zum Gorlebener Endlagerbergwerk zu und besetzten den Förderturm im Atommülllager Asse. "Wir wollen damit auf Parallelen zwischen den beiden Standorten hinweisen und Konsequenzen aus der Asse für Gorleben anmahnen", sagte Seifert und kündigte für die kommende Woche weitere Demonstrationen an. Ab kommenden Freitag soll ein weiterer Castortransport Richtung Gorleben rollen. (bai/ddp)

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