Atomenergie : Al Baradei: Iran macht schnelle Fortschritte

Iran hat die technologischen Hürden bei der Urananreicherung schneller genommen als erwartet. Es ginge nun nur noch darum, das "Wissen zu perfektionieren".

Washington - Zu diesem Ergebnis seien Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) nach einem Besuch der unterirdischen Atomanlage Natans gekommen, schreibt die "New York Times". Die dort installierten 1300 Zentrifugen seien im Einsatz und produzierten atomaren Brennstoff zur Verwendung in Atomreaktoren. Zur Herstellung von Brennstäben ist ein Anreicherungsgrad von fünf Prozent erforderlich, für waffentaugliches Uran sind es 90 Prozent oder mehr. Offenbar seien eine Reihe technologischer Hürden unerwartet schnell beseitigt worden, sagte IAEO-Generaldirektor Mohammed al Baradei in einem Interview. "Wir glauben, dass sie das zur Anreicherung benötigte Wissen haben", sagte er. "Jetzt ist es nur noch eine Frage, dieses Wissen zu perfektionieren. Die Menschen mögen das nicht gerne hören, aber das ist eine Tatsache."

Am 23. Mai läuft die neue Frist aus, die der UN-Sicherheitsrat Iran zur Aussetzung der Urananreicherung gesetzt hat. Sollte Teheran der Aufforderung nicht nachkommen, drohen weitere Sanktionen. Bereits im März hatte der UN-Sicherheitsrat seine Sanktionen gegen Iran verschärft. Die iranische Führung pocht auf ihr Recht, im Rahmen des von ihr unterzeichneten Atomwaffensperrvertrages Uran zu friedlichen Zwecken anreichern zu dürfen. Vor allem die USA verdächtigen Teheran aber, unter dem Deckmantel der friedlichen Nutzung der Atomenergie an der Herstellung von Nuklearwaffen zu arbeiten. Auch einen Angriff gegen Iran schließt die US-Führung nicht aus.

Noch im Vormonat hatte Iran die Fortschritte im Programm für die Urananreicherung heruntergespielt. Damals verlautete aus dem Außenministerium in Teheran, dass die Herstellung von nuklearem Brennstoff für das Kernkraftwerk Buschehr noch "sehr lange" dauern werde. (tso/AFP/dpa)

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