Atomenergie : Einsturzgefahr im Endlager Asse

Zufließende Laugen und Risse im Gestein beeinträchtigen massiv die Stabilität des Atommülllagers Asse in Niedersachsen. Am Donnerstag schlug das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), seit Jahresbeginn Betreiber des Bergwerks, Alarm.

Reimar Paul

Göttingen - Eine Einlagerungskammer in der etwa 6 000 Fässer mit schwach radioaktiven Abfällen liegen, ist so stark beschädigt, dass Strahlung zu entweichen droht. Teile der Decke seien instabil, Gesteinsbrocken könnten sich lösen und auf die Fässer mit dem Müll krachen.

Das Umweltministerium in Hannover bestätigte die Schäden. Die Decke der betroffenen Kammer könne jederzeit einstürzen, sagte der Referatsleiter Endlagerung, Joachim Bluth. Als erste Nothilfe kündigte das BfS an, die Abdichtungen zu dem betroffenen Hohlraum mit Beton zu verstärken. Weitere „Gefahrenabwehrmaßnahmen“ würden geprüft, um im Falle eines Deckenabsturzes zu verhindern, dass sich radioaktiv belastete Stäube im Grubengebäude verteilen und über die Abluft ins Freie gelangen. Mittelfristig will das Bundesamt die beschädigte Kammer stabilisieren, für denkbar halten die Experten eine Verfüllung der Kammer. Nach Ansicht der Grünen muss auch geprüft werden, ob eine Öffnung der betroffenen Kammer gefahrlos möglich ist. Alle Sicherungsmaßnahmen sollten zudem so angelegt werden, dass eine spätere Bergung des Atommülls möglich bleibe, sagte der niedersächsische Fraktionschef Stefan Wenzel dem Tagesspiegel.

Neben der Einsturzgefahr sind die in das Bergwerk schwappenden Laugen das derzeit größte Problem in der Asse. Täglich sickern durch Risse rund 12 000 Liter Flüssigkeit in die Grube. BfS-Präsident König hat angekündigt, die Laugen in ein stillgelegtes Bergwerk bei Celle kippen zu lassen. Dort regt sich Protest gegen dieses Vorhaben. Reimar Paul

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