Atomenergie : Fürs Erste weiter vom Netz

An den beiden Pannenmeilern Krümmel und Brunsbüttel wird noch gearbeitet - es ist unklar, wann sie wieder angefahren werden.

Dieter Hanisch

GeesthachtDie Kernkraftwerke in Brunsbüttel und Krümmel werden auch weiterhin auf unbestimmte Zeit keinen Strom liefern. Dies meint nicht nur Betreiber Vattenfall bei einem Ortstermin in Krümmel, auch das als Atomaufsichtsbehörde fungierende Kieler Sozialministerium spricht davon, dass die Probleme in beiden Meilern an Armaturen und Steuerleitungen noch nicht absehen lassen, wann eine Genehmigung für das Wiederanfahren der Anlagen erteilt werden kann.

Fast ein Jahr ist es her, dass ein Trafobrand beim Siedewasserreaktor von Krümmel die Öffentlichkeit aufschrecken ließ. Ein Kurzschluss hatte am 28. Juni 2007 zum Feuer geführt, das Reaktorinnere blieb davon unberührt. Dennoch drangen Brandgase in die Leitwarte ein. Nach einer Schnellabschaltung steht der Meiler seitdem still. In Brunsbüttel kam es unmittelbar zuvor am selben Tag zu einem Kurzschluss in einer Schaltanlage des Atomkraftwerks. Kurze Zeit später ging das Akw wieder ans Netz, doch nach weiteren Pannen steht es inzwischen auch seit dem 20. Juli 2007 still. Experten sehen inzwischen keinen Zusammenhang mehr zwischen beiden Ausfällen. Untersuchungen hätten gezeigt, dass es am besagten Tag keine auffälligen Netzschwankungen gegeben habe, sagte Vattenfall-Sprecher Ivo Banek.

Der zerstörte Trafo wurde bereits im Dezember 2007 komplett ersetzt und ist seitdem betriebsfertig. Inzwischen beschäftigt sich das Kraftwerkspersonal intensiv mit winzigen Rissen in Armaturen und Steuerleitungen. Die entdeckten Risse seien offenbar Ergebnis von Korrosion im Alltagsbetrieb und nicht von Störfällen, sagte Kraftwerkschef Hans-Dieter Lucht. Man habe nach Auffinden erster Fehler im August 2007 ein Verfahren zur Schweißreparatur entwickelt, mit dem seit nunmehr vier Wochen gearbeitet werde. Jeder Vorgang dauere etwa 14 Tage, betroffen seien 13 von 62 Armaturen.

Dagegen ist die Abarbeitung des Problems falsch gesetzter Dübel in Krümmel fast abgeschlossen. Hunderte wurden bereits ausgetauscht. In Brunsbüttel wurden rund 50 ausgewechselt, etwa 300 sollen noch folgen. Das Spezialschweißen soll in Brunsbüttel 15 Risse beseitigen. Sieben Fälle befinden sich laut Vattenfall noch im Untersuchungsvorgang. Auch in anderen Kraftwerken werde man sich mit Rissen beschäftigen müssen. Dort hat es aber noch keine weiteren Abschaltungen gegeben. Erst bei Jahresrevisionen sollen mögliche Schwachstellen beseitigt werden.

Heinz Smital von Greenpeace ist beunruhigt und unterstützt die Forderung von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD), die ältesten Reaktoren möglichst sofort vom Netz zu nehmen. Gerade bei Altanlagen könne man Korrosion und anderweitigen Verschleiß nicht ausschließen, so der Umweltschützer.

Für Vattenfall koste der Ausfall von Krümmel und Brunsbüttel täglich etwa 1,1 Millionen Euro, sagte Vorstandsmitglied Reinhardt Hassa. Er verneinte, dass seinem Energieunternehmen der derzeitige Ausfall durchaus gelegen komme: „Mit möglichen steigenden Preisen bei längerer Laufzeit und so weiter betreibt man keine strategischen Spielchen.“

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