Atomenergie : Guttenberg lässt neue Atommeiler erforschen

Minister Guttenberg lässt die Sicherheit der jüngsten Reaktorgeneration überprüfen – nach der Bundestagswahl. Ein Ausstieg aus der Atomkraft sehe anders aus, krittelt die Opposition.

Das Wirtschaftsministerium habe einen Auftrag zur Untersuchung der Sicherheit von modernen Atommeilern vergeben, schreibt die Financial Times Deutschland. Das Projekt solle drei Jahre dauern und unmittelbar nach der Bundestagswahl am 1. Oktober beginnen. Mit der Durchführung des 1,3 Millionen Euro teuren Vorhabens wurde die Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit betraut.

Durch das Projekt soll in Deutschland die Kompetenz erhalten bleiben, die Sicherheit von Anlagen im benachbarten Ausland bewerten zu können, sagte ein Ministeriumssprecher dem Blatt. Auch wenn solche Reaktoren nicht in Deutschland gebaut werden, müsste man diese trotzdem kennen und in der Lage sein, diese beurteilen zu können, erklärte ein Sprecher der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit.

Das Vorhaben stößt angesichts des geplanten Atomausstiegs auf Kritik in der Opposition. Grünen-Spitzenkandidatin Renate Künast sagte, die Union spiele ein falsches Spiel. Anlass für Zweifel an der Glaubwürdigkeit einer ernsthaften Politik zur Abkehr von der Atomenergie, lieferte auch ein Gutachten, das im Auftrag von Forschungsministerin Annette Schavan (CDU) erstellt worden ist.

Schavan hält die brisante Atomstudie, in der 100 Wissenschaftler den Bau von neuen Atomkraftwerken in Deutschland empfehlen, offenbar seit mehreren Monaten zurück. Obwohl die Ministerin die Studie mit dem Titel "Konzept für ein integriertes Energieforschungsprogramm für Deutschland" bereits im Juni erhalten hat, soll die Ergebnisse erst nach der Bundestagswahl vorgestellt werden, schreibt die Financial Time Deutschland unter Berufung auf ein Präsidiumsmitglied der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (Acatech), Ortwin Renn, der an dem Konzept mitgewirkt hat.

Das Thema Sicherheit von Atomkraftwerken hat durch die erneute Abschaltung des Vattenfall-Meilers Krümmel und die neuen Erkenntnisse über das Atomlager Asse wieder an Brisanz gewonnen. In ihrem aktuellen Programm betont die Union, dass sie einen Neubau von Atomkraftwerken ausdrücklich ablehnt. Angela Merkel, Vorsitzende der CDU, plädiert allerdings dafür, die Laufzeiten der "sicheren deutschen Anlagen" zu verlängern.

Dagegen lehnt der Präsident des Umweltbundesamtes, Jochen Flasbarth, eine Verlängerung der Laufzeiten strikt ab, da dies den Ausbau erneuerbarer Energien hemmen würde, sagte er der Frankfurter Rundschau. Die deutschen Klimaschutzziele für 2020 und 2050 seien nur mit einem massiven Ausbau der Öko-Energien und einer starken Erhöhung der Energieeffizienz in Industrie, Haushalten und Verkehr zu erreichen.
 

Quelle: ZEIT ONLINE, dpa

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