Atomenergie : Japan ist wieder Atomstromfrei

Die beiden Reaktoren im Atomkraftwerk Oi, die im vergangenen Jahr gegen den Widerstand der örtlichen Bevölkerung wieder in Betrieb genommen worden sind, gehen wieder vom Netz - zur Inspektion, und um die neuen Sicherheitsstandards zu testen.

Japaner mit Brille und weißem Hemd vor Mikrofon Foto: dpa
Von ihm wird es abhängen, ob demnächst japanische Atomkraftwerke wieder ans Netz gehen dürfen. Der Chef der neu geschaffenen...Foto: dpa

Japan ist von Montag an zum zweiten Mal seit Beginn der Atomkatastrophe in Fukushima vor zweieinhalb Jahren atomstromfrei. Die Betreiberfirma Kansai Electric (Kepco) fuhr am Sonntag den letzten stromerzeugenden Reaktor Nummer vier im Atomkraftwerk Oi in der westlichen Provinz Fukui zu Routineinspektionen herunter.
Das Abschalten des Reaktors erfolgt zu einer Zeit, da die Regierung von Ministerpräsident Shinzo Abe prüfen lässt, welcher der 50 Reaktoren im Lande die im Sommer neu eingeführten Sicherheitsregeln erfüllt und wieder hochgefahren werden können. Wegen der Sicherheitstests und der Ablehnung in der örtlichen Bevölkerung, wird Japan aber mindestens bis zum Jahresende ohne Atomstrom auskommen müssen.
Vor dem Super-Gau im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi in Folge des schweren Erdbebens und Tsunamis vom 11. März 2011 hatte die Atomenergie rund ein Drittel der gesamten Stromerzeugung in Japan ausgemacht. Schon im Mai und Juni 2012 produzierte in Japan kein einziges der insgesamt 50 Atomkraftwerke Strom. Später wurden die Reaktoren drei und vier in Oi wieder hochgefahren, mussten jetzt aber wegen erneut fälliger Sicherheitsprüfungen abgeschaltet werden.

Größere Stromausfälle blieben Japan trotzdem erspart. Um den Mangel an Atomstrom auszugleichen, importiert die drittgrößte Volkswirtschaft riesige Mengen Gas und Öl. Die Stromkosten für die Haushalte liegen rund 30 Prozent höher als vor der Krise in Fukushima.
Unterdessen kämpft der Atombetreiber Tepco in der Atomruine Fukushima weiter mit gewaltigen Mengen hochverstrahlten Wassers. Ein ranghoher Mitarbeiter des Konzerns gab während eines Treffens mit Oppositionspolitikern zu, dass die in Tanks aufgetretenen radioaktiven Lecks „nicht unter Kontrolle“ seien.

Atomkatastrophe von Fukushima und weltweite Folgen
Kurz vor der ersten Explosion. Ein Hubschrauber fliegt am 12. März 2011 am Reaktor eins des Akw Fukushima Daiichi vorbei. Foto: ReutersWeitere Bilder anzeigen
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09.03.2012 15:27Kurz vor der ersten Explosion. Ein Hubschrauber fliegt am 12. März 2011 am Reaktor eins des Akw Fukushima Daiichi vorbei.

Ministerpräsident Shinzo Abe hatte vergangene Woche bei der erfolgreichen Bewerbung Tokios um die Olympischen Spiele 2020 gesagt, die Lage sei unter Kontrolle. Tepco sieht darin keinen Widerspruch: Die Auswirkungen des verseuchten Wassers seien auf das Hafenbecken beschränkt. Die Worte des Tepco-Mitarbeiter hätten sich auf das Leck als solches bezogen.

Tepco hatte kürzlich bekannt gegeben, dass aus einem der Hunderte Tanks rund 300 000 Liter verseuchten Wassers ausgetreten seien. Das Wasser stammt aus der Kühlung der drei Reaktoren, in denen eine Kernschmelze stattgefunden hatte. In die Gebäude dringt zudem Grundwasser ein und vergrößert die verseuchte Wassermenge weiter. Tepco pumpt das Wasser täglich ab. Ein Teil wird so behandelt, dass es wieder als Kühlwasser eingesetzt werden kann. Aber rund 400 Tonnen strahlendes Wasser müssen täglich in Tanks eingelagert werden. Um diese rund 1000 Tanks herum wurden in den vergangenen Tagen extrem hohe Strahlenwerte festgestellt. Abe kündigte derweil an, er wolle die Atomruine in Fukushima am kommenden Donnerstag besuchen. mit Tsp

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