Atomgipfel in den US-Medien : Obama - mit der Welt per du

US-Medien feiern ihren Präsidenten als internationalen Führer, der die Weltpolitik forme, auch wenn der Atomgipfel nur begrenzte praktische Ergebnisse gebracht habe. Barack Obama habe sich nicht damit begnügt, die 46 hochrangigen Gäste einen nach dem anderen die nationale Position darlegen zu lassen, wie das bei solchen Treffen oft geschehe. Er habe die Debatte straff

moderiert, schreibt die „Washington Post“, und ebenso zielstrebig gelenkt wie beim Gesundheitsgipfel mit den Republikanern, der zur Verabschiedung der Gesundheitsreform führte. Er spiele die persönlichen Kontakte aus, die er im ersten Jahr geknüpft habe. Es werde international vermerkt, wenn er Wendungen benutze wie „Ich danke meinem Freund Dmitri (Medwedew) …“ oder „Mein Freund Nicolas (Sarkozy) hat Recht …“ In 15 bilateralen Gesprächen am Rand des Gipfels habe er einzelne Gäste teils

hofiert und für besondere Zugeständnisse belohnt, teils mit Forderungen konfrontiert. Kanzlerin Angela Merkel genieße hohe Wertschätzung. Von allen Europäern bekam nur sie eine längere Begegnung.

Die „New York Times“ analysiert, nach 15 Monaten im Amt zeige Obama, dass er nicht nur anders auftrete als George W. Bush. Er habe klare Ziele und wolle sie durch Führung erreichen. Aus Misserfolgen und Konfrontationen mit Israels Premier Netanjahu oder Afghanistans Präsident Karsai habe er rasch gelernt. Er sei ein

Realpolitiker, der seine Außenpolitik nicht idealistisch verbräme wie Bush mit der Agenda zur Ausbreitung von Freiheit und Demokratie. Die Weltmachtrolle sei für ihn selbstverständlich. Nach dem Umsturz in Kirgistan habe er erreicht, dass der Nachschub für die US-Truppen in Afghanistan nun über Kasachstan fließt. cvm

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