Atomkonflikt : El-Baradai: Iran Jahre von Atombombe entfernt

Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde, Mohammed el-Baradai, hat eine militärische Operation gegen Iran als momentan unnötig bezeichnet. Iran sei derzeit nicht in der Lage, eine Atombombe zu bauen.

el-Baradai
Entwarnung. Der Chef der IAEA geht nicht von einer akuten Bedrohung durch Iran aus. -Foto: AFP

ParisDer Ägypter hat sich im Atomstreit mit Teheran gegen einen Militärangriff auf Iran gewandt. "Wir haben noch viel Zeit, alle diplomatischen Mittel zu nutzen", sagte el-Baradei der Pariser Zeitung "Le Monde". "Ich möchte die Leute von der Idee abbringen, dass Iran von morgen an eine Bedrohung darstellt und dass wir heute vor der Frage stehen, ob wir Iran bombardieren oder ihm die Bombe lassen sollen. Wir sind ganz und gar nicht in dieser Situation."

Der Irak sei "ein schreiendes Beispiel für die Tatsache, dass der Einsatz von Gewalt in vielen Fällen das Problem vergrößert, statt es zu lösen", sagte el-Baradei. Wenn Teheran tatsächlich an der Bombe bauen sollte, bräuchte es dazu "noch drei bis acht Jahre".

Verschleppungstaktik wird nicht zugelassen

Als "entscheidenden Test für Iran" bezeichnete el-Baradei die laufenden Bemühungen um die Klärung des Teheraner Atomprogramms. Die IAEA lasse eine Verschleppungstaktik nicht zu. "Wir sind nicht naiv." Er wolle den Klärungsprozess im November abschließen. Doch es sei "kein Problem", wenn es "zwei, drei oder vier Wochen länger" dauere.

"Null Informationen" besitze die IAEA über die angebliche Zerstörung syrischer Atomanlagen durch die israelische Luftwaffe. "Ich hoffe offen gesagt, dass die Leute kommen und uns ihre Sorgen mitteilen, bevor sie bombardieren und Gewalt einsetzen", sagte el-Baradei. Manche redeten etwas schnell über einen "gerechten Krieg", obwohl die UN das Recht zum Militäreinsatz klar regele. Er hoffe, bald die Hintergründe der Affäre zu erfahren. Mit Hinweis auf das einstige irakische Atomprogramm fügte er hinzu: "Der Einsatz von Gewalt kann die Fristen verzögern, aber er kann die Wurzeln des Problems nicht behandeln." (mit dpa)

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