Atomkonflikt : Kleiner Mann ganz groß

Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad bezeichnet den US-Atombericht als Sieg für sein Land. Aus Moskau und Berlin kommen indes Appelle an die Adresse Teherans: Die Urananreicherung müsse eingestellt werden.

Mahmud Ahmadinedschad
"Sie glauben wohl, sie haben es mit einem vierjährigen Kind zu tun, das sie mit Walnüssen oder einem Stück Schokolade täuschen...Foto: AFP

TeheranMahmud Ahmadinedschad fühlt sich nach dem jüngsten US-Geheimdienstbericht oben auf: Entscheidend sei, dass Iran den Kampf gegen die USA um seine Unabhängigkeit gewonnen habe, sagte der Präsident. Er bekräftigte das Recht Irans auf die Entwicklung einer Atomtechnologie. Der Geheimdienstbericht habe den "Feinden Irans" klargemacht, dass sie "unsere Nation nicht mit Drohungen einschüchtern" können.

Zwei Tage nach Veröffentlichung des Berichts zum iranischen Atomprogramm haben Moskau und Berlin nun die Teheraner Führung zur Einstellung der umstrittenen Urananreicherung aufgefordert. Präsident Wladimir Putin appellierte an den iranischen Atom-Unterhändler Said Dschalili, die Bedenken und Forderungen des Westens ernstzunehmen. In Berlin sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm, auf Teheran müsse weiterhin Druck ausgeübt werden, damit es die Urananreicherung suspendiert.

In der am Montag in Washington veröffentlichten Einschätzung der US-Geheimdienste heißt es, dass Iran sein Programm zum Bau von Atomwaffen bereits Ende 2003 unterbrochen habe. Die Regierung in Teheran sei wegen des starken internationalen Drucks inzwischen "weniger entschlossen", ein Nukleararsenal aufzubauen. Besorgt macht den Westen dennoch die Urananreicherung, da hoch angereichertes Uran zum Bau vom Atombomben verwendet werden kann.

Moskau mahnt

Moskau rief die Führung in Teheran nachdrücklich auf, die Urananreicherung umgehend einzustellen. Iran solle seine Urananreicherung auf Eis legen, um alle strittigen Fragen zu dem Programm klären zu können, sagte Außenminister Sergej Lawrow. Insbesondere müsse Teheran mit der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien eng zusammenarbeiten. Putin und der iranische Unterhändler Dschalili hatten sich am Vortag bei Moskau getroffen. Moskau hatte in der Vergangenheit oft die Position Teherans verteidigt und sich gegen schärfere Sanktionen gestemmt.

Berlin bleibt besorgt

In Berlin erklärte Regierungssprecher Wilhelm, Iran verletze in der Frage der Urananreicherung nach wie vor bindendes Völkerrecht, weil es den entsprechenden UN-Sicherheitsratsresolutionen nicht nachkomme. "Es besteht weiter Anlass zur Besorgnis." Ex-Außenminister Joschka Fischer sieht nach dem US- Geheimdienstbericht eine Militäraktion gegen Iran nicht mehr im Bereich des politisch Möglichen. Dies sei eine "gute Nachricht", sagte Fischer der Wochenzeitschrift "Die Zeit".

Israel fordert mehr Sanktionen

Israel forderte unterdessen eine Verschärfung der internationalen Sanktionen. Die Sanktionspolitik habe sich beim bisherigen Vorgehen gegen die iranischen Atompläne als effektiv erwiesen, heißt es in einer Erklärung von Außenministerin Zipi Liwni. Es müsse mit aller Macht verhindert werden, dass der Iran in den Besitz der Technologie für Atomwaffen gelange. (ck/dpa)

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