Atomkonflikt : Zwei rote Linien für Iran-Attacken

Wie reagieren Israel und die USA, falls der Iran sich entscheidet, eine Atombombe zu bauen? Die Entscheidung darüber ist gefallen, bleibt aber geheim - vorerst.

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Vorkehrungen für den Tag X: Obama und Netanyahu verhandeln die "roten Linien".
Vorkehrungen für den Tag X: Obama und Netanyahu verhandeln die "roten Linien".Foto: REUTERS

Zu Hause in Israel von Skandalen und Verhören geplagt, strahlt Benjamin Netanyahu in seiner zweiten Heimat USA in jedes Kameraobjektiv, dankt und lobt Barack Obama in höchsten Tönen. Der amerikanische Präsident hatte noch vor ihrem montäglichen Treffen in seiner Rede vor der einflussreichen jüdischen Israel-Lobby AIPAC fast alles klar gemacht, weshalb denn auch in Israel in diesem neunten Gipfeltreffen erstmals mit Harmonie anstatt Misstönen gerechnet wird.

Netanyahu will auf dieser USA-Visite drei definitive amerikanische Zusagen und wichtige Entscheidungen erreichen. Obama hat ihm bereits vor ihrem Gespräch in seiner AIPAC-Rede zwei verbindliche Zusagen in Bezug auf den Iran gemacht, so der frühere Vorsitzende des Knessetausschusses für Außen- und Sicherheitspolitik, Zachi Hangebi: Erstens würden die USA unter keinen Umständen eine iranische Nuklearmacht zulassen. Zweitens habe Israel das Recht im Falle einer existenziellen Bedrohung, über die es selbst entscheide, sich wie jeder andere Staat auch militärisch zu verteidigen. Mit anderen Worten: Israel müsste demnach die USA nur über den bevorstehenden Präventivschlag gegen den Iran orientieren, Jerusalem aber wäre zu keinen Konsultationen mit Washington verpflichtet.

Netanyahu und Obama sollten demnach, in geheimen Beschlüssen, über die "roten Linien" für ihre eventuellen Attacken auf die iranischen Atomanlagen entscheiden. Es geht bei diesen "roten Linien" um die Zeitpunkte, an denen Luftangriffe auf diese unterirdischen Anlagen praktisch wirkungs- und damit sinnlos sein werden. Die israelische "rote Linie" liegt in wenigen Monaten Entfernung angesichts des beschränkten Angriffspotenzials der kleineren Luftwaffe und deren Bomben. Die "rote Linie" der erheblich größeren US-Luftwaffe mit ihren mächtigen bunkersprengenden Bomben liegt etliche Monate weiter entfernt, höchstwahrscheinlich erst jenseits des amerikanischen Wahltermins im November.

Obwohl sich beide Regierungen aufgrund ihrer Geheimdienstberichte einig sind, dass Teheran noch nicht über den Bau von Atombomben entschieden hat, müssen die Entscheidungen über die "roten Linien" jetzt fallen. Denn sobald alle wichtigen iranischen Atomanlagen unterirdisch gesichert sind, ist es aus israelischer Sicht zu spät. Zudem sind sich Netanyahu und Obama bewusst, dass der Iran seine Atom-Forschung und Uran-Produktion bereits soweit vorangetrieben hat, dass im Falle eines Geheimbeschlusses Teherans über den Bau von Atombomben nur drei bis vier Monaten vergehen würden bis zu deren Einsatzbereitschaft.

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