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Atomkonflikt zwischen Südkorea und USA : USA reagieren weiter gelassen auf Drohungen aus Nordkorea

In den USA reagiert man weiter gelassen auf die Drohungen Nordkoreas. Eine Sprecherin des Außenministeriums bezeichnete sie als "eskalierende Serie rhetorischer Stellungnahmen".

Nordkoreas Staatsführer Kim Jong Un bereitet sein Land auf den Krieg vor - und empfiehl ausländischen Diplomaten die Ausreise.
Nordkoreas Staatsführer Kim Jong Un bereitet sein Land auf den Krieg vor - und empfiehl ausländischen Diplomaten die Ausreise.Foto: AFP

Die USA reagieren weiterhin gelassen auf die Drohungen Nordkoreas. „Das ist nur eine eskalierende Serie rhetorischer Stellungnahmen“, sagte Viktoria Nuland, Sprecherin des States Departments am Freitag. Sie fügte allerdings hinzu: „Die Frage ist, mit welchem Ende.“ Nuland bezog sich auf den jüngsten Schachzug Pjöngjangs, mehreren Ländern den Abzug ihrer Diplomaten aus der nordkoranischen Hauptstadt zu empfehlen. Sie rief das kommunistische Regime zugleich auf, den Konflikt zu deeskalieren. Nordkorea droht den USA seit Tagen mit einem Atomschlag.

Gleichzeitig schließen die USA einen erneuten Raketenstart Nordkoreas nicht aus. Die Regierung verfolge Berichte über entsprechende Vorbereitungen in Nordkorea sehr genau. „Wir wären nicht überrascht, wenn wir eine solche Aktion sehen würden“, sagte Regierungssprecher Jay Carney am Freitag vor Journalisten in Washington. Ein solcher Schritt würde zur derzeitigen kriegerischen Rhetorik des kommunistischen Regimes passen.
Man arbeite eng mit China und Russland zusammen, um auf Nordkorea Einfluss zu nehmen, fügte Carney hinzu. Das kommunistische Regime solle seinen internationalen Verpflichtungen nachkommen.

Nordkorea empfiehlt, die Botschaften zu räumen

Zuvor hatte Nordkorea der deutschen Bundesregierung und anderen Ländern empfohlen, ihre Botschaften in Pjöngjang zu räumen. Dies meldet die Deutsche Presse-Agentur dpa. Offiziell heiße es vom Auswärtigen Amt am Freitag nur: „Die Sicherheit und Arbeitsmöglichkeit unserer Botschaft in Pjöngjang wird angesichts der Eskalation laufend überprüft.“

Pjöngjang habe nach britischen Angaben erklärt, dass die Sicherheit der diplomatischen Vertretungen ab dem 10. April nicht mehr garantiert werden könne, wenn es zu einem Konflikt komme, teilte die Regierung in London am Freitag mit. Zuvor hatten Russland, Bulgarien und Tschechien erklärt, dass Nordkorea ihre und die Botschaften weiterer Länder aufgefordert habe, Evakuierungspläne zu prüfen.

Das Militär verlegte eine zweite Mittelstreckenrakete an die Ostküste des Landes, wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtete. Die Raketen haben eine Reichweite von bis zu 4000 Kilometern und könnten Südkorea, Japan oder eine US-Militärbasis auf der Insel Guam im Pazifik treffen. Als Reaktion entsandte die südkoreanische Marine zwei mit speziellem Radar ausgestattete Zerstörer, um einen möglichen Raketenstart aufzuzeichnen.

Nordkorea feiert am 15. April Kim Il-Sungs Geburtstag - vielleicht mit Raketen

Südkorea rechnet nach Angaben eines ranghohen Militärs damit, dass die Raketen als „Überraschung“ abgefeuert werden. Dafür spreche, dass sie auf mobile Abschussrampen installiert und anschließend versteckt worden seien. Unklar sei, ob die Raketen für eine Militärübung oder einen Test verlegt worden seien, zitiert Yonhap den Militär.

Beobachter schließen nicht aus, dass die Raketen anlässlich der Feierlichkeiten zum 101. Geburtstag von Staatsgründer Kim Il-Sung am 15. April abgeschossen werden.

Wegen der zunehmenden Spannungen zwischen Nord- und Südkorea hat die Bundesregierung den nordkoreanischen Botschafter einbestellt. Auf Weisung von Außenminister Guido Westerwelle (FDP) wurde der Diplomat am Freitag ins Auswärtige Amt zitiert. Dort sei dem Botschafter „in deutlichen Worten die sehr große Sorge der Bundesregierung angesichts der von Nordkorea zu verantwortenden Eskalation“ vermittelt worden, sagte Ministeriumssprecher Andreas Peschke. Das jüngste Vorgehen der Führung in Pjöngjang sei „im Ton und in der Sache in keiner Weise akzeptabel“.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hatte zuvor Nordkorea im Konflikt mit den USA und Südkorea zu einem Kurswechsel aufgerufen. „Atomwaffen sind kein Spielzeug“, betonte der Südkoreaner am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Madrid. Es bestehe die Gefahr, dass der Konflikt außer Kontrolle gerate. „Ich bin besorgt, denn jeder Kalkulationsfehler und jede Fehleinschätzung können in der jetzigen Lage auf der koreanischen Halbinsel eine Krise auslösen, die äußerst schwerwiegende Folgen hätte.“ Eine Entspannung ist auch nicht in dem von Nord- und Südkorea gemeinsam betriebenen Industriepark Kaesong in Sicht. Die Führung in Pjöngjang verweigert seit Mittwoch sowohl südkoreanischen Pendlern als auch Lieferanten die Einreise. Wegen eines Feiertages in Nordkorea erschienen die 53 000 nordkoreanischen Mitarbeiter am Freitag ohnehin nicht zur Arbeit in den 123 Unternehmen.

Für Reisende nach Südkorea gibt es noch keine Einschränkungen

Drei Textilunternehmen haben nach Angaben des südkoreanischen Vereinigungsministeriums bereits die Arbeit einstellen müssen, weil der Nachschub stockt. 608 südkoreanische sowie sechs chinesische Mitarbeiter hielten sich noch in der Industriezone auf. Für sie bestehe derzeit kein Sicherheitsrisiko. Allerdings reichten die Nahrungsmittel maximal noch eine Woche.

Trotz aller Drohungen aus Nordkorea gibt es für Reisende nach Südkorea derzeit noch keine Einschränkungen. „Uns sind bisher keine Einschränkungen für Touristen bekannt“, erklärte eine Sprecherin des Fremdenverkehrsamtes. Das gelte auch für die bei Touristen beliebten Touren an die innerkoreanische Grenze. Auch das Auswärtige Amt in Berlin sieht derzeit keine konkrete Gefährdung deutscher Staatsangehöriger.

Die Lage auf der koreanischen Halbinsel gilt seit dem dritten Atomtest in Nordkorea im Februar als äußerst gespannt. Pjöngjang hatte als Reaktion auf die Ausweitung von UN-Sanktionen und südkoreanisch-amerikanische Militärmanöver den Waffenstillstandsvertrag von 1953 gekündigt. Am Samstag rief Pjöngjang den „Kriegszustand“ im Verhältnis zu Südkorea aus. Seit den 1950er Jahren befinden sich die Nachbarn formell weiter im Krieg.

Als weitere Eskalationsstufe drohte das kommunistische Regime den USA offiziell mit einem Atomschlag. Allerdings bezweifeln Experten, dass das Land auf Jahre hinaus in der Lage sein wird, US-Festland mit einer Atomrakete zu treffen. (Tsp/dpa)

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