• Atomkonsens: Das erste Rededuell mit dem Kanzler ist für CDU-Chefin Merkel eine Frage der Überzeugung

Politik : Atomkonsens: Das erste Rededuell mit dem Kanzler ist für CDU-Chefin Merkel eine Frage der Überzeugung

Tissy Bruns

Das "Nein" kommt so prompt, dass die Rednerin es lange vorher überlegt haben muss. Nein, die Zwischenfrage der Abgeordneten Griefahn (SPD) will die Abgeordnete Merkel (CDU) nicht zulassen. Angela Merkel bleibt bei ihrer Rede, die linke Hand in der Hosentasche, während die rechte immer mal gestikuliert und gern einen kleinen Zeigefinger zeigt. Die neue CDU-Vorsitzende ist gut vorbereitet, und sie spricht mit freiem Blick.

Merkel antwortet der Regierungserklärung des Bundeskanzlers zur rot-grünen Erfolgsgeschichte Atomausstieg. Die rot-grünen Reihen im Parlament sind trotzdem nur locker gefüllt. Etwas kompakter dagegen die Garde der Oppositionsunion, die ihre anwesenden Abgeordneten geordnet in die vorderen Reihen platziert hat. Denn an diesem Donnerstag tritt die CDU-Vorsitzende zum ersten Mal direkt gegen den Regierungschef an.

Eigentlich sollte es um Europa gehen. Merkels Rede war bereits fertig. Aber für die ehemalige Umweltministerin und Akw-Befürworterin, war es nicht schwer, sich auf das Thema Ausstieg vorzubereiten. Die CDU-Vorsitzende war einfach "dran" mit einem größeren Auftritt im Parlament.

Merkels erste Konfrontation mit dem Kanzler Schröder liegt im Schatten. Wenige hundert Meter Luftlinie entfernt sorgt ihr Vor-Vorgänger für die eigentliche Schlacht des Tages: Helmut Kohl sagt in der Katholischen Akademie vor dem Untersuchungsausschuss aus. Angela Merkel wiederum sitzt im Bundestag in der zweiten Reihe, neben ihrem Vorgänger Wolfgang Schäuble. Diese beiden wirken zugewandt.

Noch ein kleiner Schatten: Vor Schröders Regierungserklärung wird dem Bundestag das Ausscheiden des Abgeordneten Jürgen Rüttgers (CDU) mitgeteilt. Der war vor wenigen Monaten noch so etwas wie Merkels Konkurrent. Vergangenheit. Gegenwart ist Gerhard Schröder, der von der großen Warte des Kanzlers spricht, der Verantwortung trägt und von anderen verlangt. Politik nach dem "Sankt-Florians-Prinzip" hält er der Union und Edmund Stoiber vor. Denn der halte die Fahne der Atomkraft hoch und ließe andere für die Entsorgung einstehen. Schröder hat seine eigenen Reihen, nicht Merkel im Blick: Er will den Genossen vormachen, wie man Erfolge richtig feiert. "Es war Frau Merkel, die neue CSU-Vorsitzende", verspricht er sich. Unruhe in der Union. "Es war nicht absichtlich", beteuert der Kanzler, "wirklich nicht absichtlich, obwohl man es hätte vermuten können." Tatsächlich passt in Sachen Atomkraft kein Blatt Papier zwischen Angela Merkel und Edmund Stoiber. Die CDU-Vorsitzende steht zur Atomkraft als Zukunftstechnologie.

Zunächst aber hält sie Rot-Grün die enttäuschten Hoffnungen auf den Sofortausstieg vor. Unruhe bei SPD und Grünen. "Je mehr sie schreien, desto wahrer wird es", kontert die CDU-Vorsitzende. Die Abgeordneten der Union folgen der Parteichefin gern. Beifall. Kopfnicken. Sie kann es. Der Konsens, sagt Merkel, sei eine Vereinbarung zu Lasten des Klimaschutzes, des technischen Fortschritts und stehe in einer "langen Liste von Dingen, die Sie nicht zu Ende gedacht haben". Ihre rasche Weigerung, die Zwischenfrage von Monika Griefahn zuzulassen, ist die einzige schwache Stelle dieses Auftritts, der wirkt, weil Merkel überzeugt ist von dem, was sie sagt. Und sich wenig schert, ob es der Mehrheit gefällt. Auf Merkel folgt Umweltminister Jürgen Trittin. Wie antwortet man auf die erste Parteivorsitzende? Trittin versucht es so: "Gnädige Frau", sagt der grüne Minister, "weder die schimmernde Rüstung der Atomkraftbefürworter noch die die schwarze Jacke der Sofortaussteigerin steht Ihnen." Die gnädige Frau trug übrigens hellblau.

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