Politik : Atomkraft: AKWs - für Anschläge nicht gerüstet

Ulrike Fokken

Berlin. Atomkraftwerke halten den gezielten Absturz eines Großflugzeugs nicht aus. Zu diesem Ergebnis kommt die Reaktorsicherheitskommission (RSK) in einer ersten Stellungnahme, die sie am Dienstag an Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Bündnis 90/Die Grünen) geschickt hat. Trittin hatte nach den Anschlägen vom 11. September die Kommission gebeten, das Szenario eines Flugzeugabsturz auf ein Atomkraftwerk zu prüfen.

Selbst wenn die Betondecke des Atomkraftwerks durch den Aufprall nicht reißt und so das Flugzeug im Inneren des AKW explodieren kann, würden die 300 000 Tonnen Gewicht des Flieger die Anlage derart durcheinander rütteln, dass Leitungen reißen und Rohre bersten, schreibt die Kommission. Somit wäre das Kraftwerk ebenfalls außer Kontrolle und eine unkontrollierte Reaktion bis zur Kernschmelze könnte nicht ausgeschlossen werden. Keine Ergebnisse hat die Reaktorsicherheitskommission über die Auswirkungen des Kerosinbrands und fordert daher weitere Forschungen.

Die Sicherheitspläne der Vergangenheit waren nie von einem vorsätzlichen Absturz mit 150 Tonnen Kerosin ausgegangen. Die RSK hält die kurzfristige Schadensbegrenzung durch Abschalten für "sehr beschränkt". Erst wenn die Brennelemente nach sechs Monaten abgekühlt und in ein sicheres Lager gebracht wurden, könne eine Bedrohung verringert werden. Dafür jedoch fehlen zurzeit die gesicherten Behälter.

Die Stellungnahme der Kommission dürfte auch die Beratungen zur Atomgesetznovelle beeinflussen. Am 5. November ist die Anhörung zu dem Atomausstiegssgesetz, im Dezember soll der Bundestag abschließend beraten. Das Gesetz müsse genutzt werden, um die Strommengen von älteren Anlagen auf jüngere zu übertragen, und Risiken so zu verringern, sagte Trittin.

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