Politik : Atomkraft aus Tschechien: US-Anwalt Fagan besichtigt Temelin

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Im Streit um Sicherheitsmängel im tschechischen Atomkraftwerk Temelin hat die Leitung der Anlage dem US-Staranwalt Ed Fagan am Dienstag kurzfristig den Besuch erlaubt. Fagan besichtigte am Vormittag im Auftrag österreichischer Temelin-Gegner etwa 90 Minuten lang den Reaktor, dessen Betreibern er zuvor ein "Unterdrücken wichtiger Dokumente" vorgeworfen hatte. Er hatte das Unternehmen Ende Februar ultimativ aufgefordert, die "Geheimpapiere" bis zum 20. März vorzulegen.

"Es ist der erste Schritt zu einem Dialog", sagte Fagan nach dem Akw-Besuch vor der Presse. Dass der Anwalt entgegen den Gepflogenheiten ohne vorherige Absprache die Anlage besichtigen konnte, beweise, dass die Betreiber nichts zu verbergen hätten, sagte ein Akw-Sprecher. Fagans Forderung nach "absoluter Offenlegung" wies er aber zurück. Einige Unterlagen unterlägen dem Geschäftsgeheimnis. Alle anderen relevanten Dokumente würden österreichischen Kritikern "seit Jahren" vorliegen. Daraufhin drohte Fagan mit einer Klage wegen Verletzung der Informationspflicht, wenn der Betreiber CEZ in vier Wochen die bislang geheim gehaltenen Unterlagen nicht vorlege.

Der 47-jährige Fagan, ein Jurist aus New York, war international mit der Vertretung ehemaliger NS-Zwangsarbeiter aus Osteuropa bei der Durchsetzung ihrer Entschädigungsklagen gegen die deutsche Industrie bekannt geworden. Das Originalprojekt von Temelin war noch sowjetischen Ursprungs, nach der Wende aber mit US-Sicherheitstechnik nachgerüstet worden. Der seit Oktober laufende Probetrieb musste wegen Pannen immer wieder unterbrochen werden.

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