Atomkraft : "Gute Nacht!"

Jürgen Trittin über Vattenfall als Atomkraftbetreiber, Sicherheit in Deutschland und die Drohung mit Lizenzentzug.

Trittin
Jürgen Trittin: "Da reicht es nicht, dass Bruno Thomauske gefeuert wurde." -Foto: ddp

Wie sicher sind deutsche Atomreaktoren?

Die Energiekonzerne behaupten seit Jahren standhaft, deutsche Reaktoren seien die sichersten der Welt. Es gibt in Deutschland wenige Akw in Erdbebengebieten wie in Japan. Aber nach den Vorfällen in Brunsbüttel und Krümmel muss sich die Welt wirklich Sorgen machen. Wenn das die sichersten Anlagen der Welt sind, gute Nacht! Es zeigt sich, dass es gute Gründe gab, per Gesetz die Betreiber zu zwingen, Altanlagen spätestens 32 Jahre nach Inbetriebnahme vom Netz zu nehmen.

Die Atomindustrie setzt auf das Gegenteil.

Die Störfälle in den Vattenfall-Akw haben dazu beigetragen, dass die Atomkraftbetreiber ihre groß angelegte Kampagne einstampfen können. Wer glaubt jetzt noch daran, dass man mit Altanlagen Energiesicherheit und Klimaschutz sicherstellen kann, wo zum Energiegipfel 4 der 17 Anlagen stilllagen?

Wie zuverlässig ist Vattenfall?

Die Art und Weise, wie Vattenfall mit den Vorgängen in Brunsbüttel und Krümmel umgegangen ist, lässt daran massive Zweifel entstehen. Offenkundig wurde versucht, die Aufklärung der Störfälle zu behindern. Das ist genauso skandalös wie die Weigerung des Konzerns, die Mängelliste des Kraftwerkes in Brunsbüttel offenzulegen. Da reicht es nicht, dass Bruno Thomauske gefeuert wurde. Was ist eigentlich die Verantwortung von Herrn Rauscher als Vorstandsvorsitzender?

Hat der Staat genug Mittel, die Sicherheit von Kernkraftwerken zu garantieren?

Das Atomgesetz bietet scharfe Waffen. Das sieht man daran, dass die Drohung mit einem Lizenzentzug in der Vergangenheit dazu geführt hat, dass Energiekonzerne das Management ausgetauscht haben. Außerdem arbeiten die Atomaufsichtsbehörden in Schleswig-Holstein sehr sicherheitsorientiert. Mittelfristig führt kein Weg daran vorbei, die Atomaufsicht beim Bund zu konzentrieren. Nur so kann man während der Ausstiegszeit bis 2020 den technischen und juristischen Sachverstand erhalten.

Das Gespräch führte Antje Sirleschtov.

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