Atomkraft : Schon wieder Panne in Brunsbüttel

Im Atomkraftwerk Brunsbüttel ist erneut ein Fehler aufgetreten. Die Mängel wurden bei der Überprüfung von Dübeln im Sicherheitssystem entdeckt. Die schleswig-holsteinische Sozialministerin Trauernicht wirft Akw-Betreiber Vattenfall unterdessen Täuschung vor.

Atommeiler Brunsbüttel
Abgeschaltet: Das Akw Brunsbüttel bleibt wegen "Auffälligkeiten" vorerst vom Netz getrennt. -Foto: dpa

KielIm Atomkraftwerk Brunsbüttel ist erneut ein Fehler aufgetreten. Das meldeten heute Aufsichtsbehörde und Betreiber. Bei einer angeordneten Überprüfung von Dübeln im Sicherheitssystem wurden laut einem Ministeriumssprecher zu große Bohrungen in Dübelplatten festgestellt. Mit ihnen sind Rohrleitungen befestigt. Bis zum Abschluss der Überprüfung und Instandsetzung werde der Meiler vom Netz getrennt bleiben. Das AKW Brunsbüttel war gestern wegen "Auffälligkeiten" in den Ölkreisläufen eines Transformators heruntergefahren worden.

Gabriel will Bericht zur Sicherheit aller AKW

Nach der AKW-Pannenserie in Schleswig-Holstein will Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) von den zuständigen Landesbehörden in ganz Deutschland einen Bericht zur Sicherheit aller deutschen Atomkraftwerke anfordern. Hintergrund seien die sich oft über Jahre hinziehenden Sicherheitsüberprüfungen der Anlagen, sagte ein Sprecher des Landesministeriums. Am Mittwoch war eine Liste offener Punkte einer seit 2001 laufenden Sicherheitsanalyse des AKW Brunsbüttel bekannt geworden.

Gabriel und die schleswig-holsteinische Sozialministerin Gitta Trauernicht berieten heute auch über eine bessere Datenerfassung und Überwachung des Betriebs in den AKW. Die Kieler Ministerin habe etwa Ton- oder Videoaufnahmen im Leitstand vorgeschlagen, um nach künftigen Störfällen mit deren Hilfe den Ablauf analysieren zu können. Bei der Aufklärung der Schnellabschaltung des AKW Krümmel nach einem Trafo-Brand war die Atomaufsicht auf Informationen des Betreibers Vattenfall sowie auf die Befragung der beteiligten Mitarbeiter angewiesen gewesen. Letztere hatte Vattenfall zunächst verweigert.

Trauernicht legt Bericht vor

Die AKW-Pannen sind auch Thema auf der heutigen Sitzung des Kieler Sozialausschusses. Ministerin Trauernicht legte heute einen Zwischenbericht über die Störfälle und Pannen in den AKW Krümmel und Brunsbüttel vor. Darin wirft sie dem Betreiber Täuschung vor: Pressemitteilungen von Vattenfall hätten Darstellungen enthalten, "die dem Betreiber zu dem Zeitpunkt als falsch bekannt gewesen sein müssen". Außerdem habe der Konzern Informationen zunächst nur auf Druck des Ministeriums veröffentlicht. (mit AFP)

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