Atomkraft : Umwelthilfe legt Mängelliste für Brunsbüttel offen

Die Deutsche Umwelthilfe hat erstmals Inhalte der Mängelliste für das AKW Brunsbüttel präsentiert. DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch sprach von einem unsicheren "Schrottreaktor".

Berlin/SchleswigDie Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat erstmals Inhalte der bislang geheim gehaltenen Mängelliste des wiederholt durch Störfälle aufgefallenen Atomkraftwerks Brunsbüttel veröffentlicht. Wie DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch unter Berufung auf ein der Organisation zugespieltes Gutachten in Berlin erklärte, wurden an dem schleswig-holsteinischen Meiler zum Stichtag 21. Juni 2006 insgesamt 650 Mängel festgestellt, davon 165 schwerwiegende fehlende Sicherheitsnachweise. Resch sprach von einem "Schrottreaktor", der einer der unsichersten Deutschlands sei.

Laut Resch betrifft die von der Atomaufsicht des Landes in Auftrag gegebene Expertenanalyse "praktisch alle Kernbereiche der Reaktorsicherheit". Besonders kritisch seien nicht erbrachte Bruchsicherheitsnachweise im Rohrsystem, Werkstoffprobleme, Mängel in der Elektro- und Leittechnik sowie die Verwundbarkeit gegenüber terroristischen Angriffen.

Vattenfall zieht Klage zurück

Die DUH forderte die für Reaktorsicherheit zuständige schleswig-holsteinische Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD) auf, den Betreiber Vattenfall zur Vorlage sämtlicher Sicherheitsnachweise binnen vier Wochen zu veranlassen und den Meiler ansonsten stillzulegen. Resch wertete die Liste als "Sprengsatz", die für Brunsbüttel voraussichtlich das Aus bedeute. Die erforderlichen Nachrüstinvestitionen würden sich für den Konzern womöglich nicht rechnen, da der Reaktor nicht mit einer Laufzeitverlängerung über 2009 hinaus rechnen könne.

Die Mängelliste geht auf die nach dem Atomgesetz vorgesehene periodische Sicherheitsüberprüfung (PSÜ) zurück, die für Brunsbüttel im Jahr 2001 erstellt und seitdem laufend überarbeitet wurde. Vattenfall hatte am Dienstag nach langer Weigerung angekündigt, die Mängelliste des Atomkraftwerkes Brunsbüttel nun doch offenzulegen. Nach Angaben des Verwaltungsgerichts Schleswig hat der Konzern eine entsprechende Klage gegen das Kieler Sozialministerium zurückgezogen. Das Verfahren sei damit abgeschlossen, teilte das Gericht mit. (mit ddp)

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