Atomkraftwerk Krümmel : Rauchgas drang in Leitwarte ein

Beim Trafo-Brand im Atomkraftwerk Krümmel ist Rauchgas in die Leitwarte eingedrungen. Ein Krümmel-Mitarbeiter habe dort nur noch mit Gasmaske seinen Dienst fortsetzen können.

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Undurchsichtig: Das Feuer auf dem Gelände des AKW Krümmel am 28. Juni 2007. -Foto: ddp

Während des Trafo-Brands auf dem Gelände des Atomkraftwerks Krümmel vor gut einer Woche ist Rauchgas in die Leitwarte des AKW eingedrungen. Wie der Geschäftsführer der Vattenfall-Atomenergiesparte, Bruno Thomauske, sagte, gelangte das Gas über das Lüftungssystem in das Gebäude. Der Reaktorfahrer habe eine Gasmaske anlegen müssen. Der vorläufigen Analyse des AKW-Betreibers zufolge löste vermutlich eine Vorschädigung des 380.000-Volt-Transformators den Kurzschluss und damit das Feuer aus. Thomauske bestätigte, dass bei der folgenden Abschaltung "Auffälligkeiten" auftraten. Zugleich räumte er Fehler bei der Informationspolitik des Konzerns ein.

In verschiedenen Punkten müsse der Ablauf der Reaktor-Schnellabschaltung noch weiter analysiert werden, betonte Thomauske. So seien die fälschlicherweise während des automatischen Herunterfahrens geöffneten Ventile von dem Reaktorfahrer wegen eines Missverständnisses von Hand bedient worden. Der Mann habe eine Anweisung des zuständigen Schichtleiters falsch verstanden und sich entgegen geltender Weisungen nicht rückversichert. Der Schichtleiter habe die Ventile einige Minuten später wieder geschlossen.

Wasserstand im Reaktor innerhalb der vorgesehenen Grenzen

Der unplanmäßige Ausfall einer Wasserpumpe in dem Reaktor sei von den Sicherheitssystemen ordnungsgemäß aufgefangen worden, sagte der Chef der Vattenfall-Atomenergiesparte. Der Wasserstand habe sich zu jeder Zeit innerhalb der vorgesehenen Grenzen bewegt. Es gab demnach "nie die Besorgnis, dass es hier an dieser Stelle zu einer Freilegung der Brennstäbe hätte kommen können".

Unvorhergesehen war nach seiner Aussage auch das Eindringen des Brandgases in das Schaltanlagengebäude. Das Gas habe bei einigen Mitarbeitern zu einer Reizung der Schleimhäute geführt. Nach einer halben Stunde seien die Umluftsysteme eingeschaltet worden, die die Luft im Folgenden gefiltert hätten. Bei einer Untersuchung der Filter seien auch Spuren von Dioxin gefunden worden, offenbar von bei dem Feuer im Transformator verbrannten PVC-Kabeln. Von gesundheitlichen Gefahren für die Mitarbeiter gehe er aber nicht aus, sagte Thomauske.

Daten verloren gegangen

Bei dem Herunterfahren des Meilers seien darüber hinaus Daten über den zeitlichen Ablauf verloren gegangen, räumte er ein. Dieser könne aber mit "erhöhter Nachrecherche" für eine "lückenlose Analyse" rekonstruiert werden. Über deren Ergebnisse werde das Unternehmen künftig kontinuierlich informieren, versprach Thomauske. "Wir sind entschlossen, sämtliche Störfälle unmittelbar auch über eine Berichterstattung über das Internet zu kommunizieren". Vattenfall war wegen seiner Informationspolitik nach dem Störfall massiv in die Kritik geraten. Wegen der "Unzuverlässigkeit" des Betreibers hatten die Grünen und mehrere Naturschutzverbände den AKW-Lizenzentzug gefordert.

Das Bundesumweltministerium lud unterdessen die für die Reaktorsicherheit in Schleswig-Holstein zuständige Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD) zu einem "bundesaufsichtlichen Gespräch" über den Störfall in Krümmel ein. Dieses solle spätestens Montag stattfinden. "Darüber hinaus wird die Landesatomaufsicht gebeten, das Wiederanfahren des Atomkraftwerks erst nach Rücksprache mit der Bundesaufsicht zuzulassen."

Noch mindestens drei Wochen dauern laut Vattenfall die Aufräumarbeiten auf dem Krümmel-Gelände. Möglicherweise könne dann, wie von Trauernicht vorgeschlagen, die für den 5. August vorgesehene etwa einmonatige Revision direkt im Anschluss erfolgen und somit etwas vorgezogen werden, kündigte Thomauske an. Das Einbauen eines neuen Transformators dauere ohnehin bis zu sechs Wochen, so dass das AKW frühestens Anfang September wieder voll ans Netz gehen könne. (mit ddp/AFP)

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