Politik : Atommüll: Atommüll? Ja bitte!

Claudia von Salzen

"Bei uns ist der Strom zu Hause" - mit diesem Slogan wirbt die kleine Gemeinde Eurajoki an der Westküste Finnlands. Zu ihren Sehenswürdigkeiten zählt sie auch zwei Atomreaktoren. Zudem soll dort, auf der Insel Olkiluoto, ein atomares Endlager entstehen. Als erstes Land der Welt hat Finnland ein Endlager für abgebrannte Brennelemente beschlossen. Das Parlament beschloss die Deponie im Mai bei nur drei Gegenstimmen.

Die Betreiberfirma Posiva, von den großen Energiekonzernen als Entsorgungsunternehmen gegründet, will in Olkiluoto zunächst eine unterirdische Forschungsstation einrichten und 2010 die endgültige Baugenehmigung beantragen. Die ersten Brennelemente sollen 2020 eingelagert werden. Die Behälter mit dem hochradioaktiven Müll werden dann in 500 Metern Tiefe in einem Tunnelsystem aufbewahrt, das in den Granit gesprengt werden soll. Von der Außenwelt werde der Atommüll durch Barrieren abgeschirmt, versichert Posiva-Sprecher Timo Seppälä. Die Behälter selbst sind mit Kupfer ummantelt und werden zudem von einem speziellen Füllmaterial umgeben. Jahrelang hat Posiva nach eigenen Angaben die Risiken erforscht - von den Folgen fürs Grundwasser bis zum Einfluss einer möglichen neuen Eiszeit. Fazit der Betreiberfirma: Selbst unter "extremen Ausnahmebedingungen" sei das Endlagersystem verlässlich.

Umweltschützer halten die Erkundungen nicht für ausreichend: Greenpeace warf der Firma vor, den Antrag gestellt zu haben, bevor die Forschungen abgeschlossen waren. Doch mit dieser Kritik stehen die Umweltschützer in Finnland ziemlich allein da. Selbst die Grünen, die der von Sozialdemokraten geführten Fünf-Parteien-Koalition angehören, stimmten im Parlament für das Projekt. In Eurajoki gibt es eine breite Mehrheit für das Endlager. Der Gemeinderat von Eurajoki bemühte sich sogar eigens darum, das Atommüll-Lager nach Olkiluoto zu holen.

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