Politik : Atommüll: Demonstranten ketten sich an Schienen

Im Mannheimer Güterbahnhof haben sich am Montag zwölf Greenpeace-Aktivisten an Gleise festgekettet, um gegen den geplanten Transport von Atommüll aus Neckarwestheim (Baden-Württemberg) in die britische Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield zu protestieren. Die Umweltschützer schoben am Morgen V-förmige Rohrstücke unter die Gleise und befestigten ihre Hände darin, teilten Greenpeace und Bundesgrenzschutz mit. Erst am Mittag konnte die Polizei die letzten Rohre trennen; die Aktivisten wurden in Gewahrsam genommen. Rund 2000 Polizisten sollen den Transport schützen.

Die Grünen im Bundestag haben den Atomtransport als "unnötig" und "unklug" kritisiert. Es müsse "als Provokation" empfunden werden, wenn der Atommüll transportiert werde, "obwohl es nicht nötig ist", sagte die energiepolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Michaele Hustedt. Sie verwies darauf, dass die Grünen versuchten, die Konflikte um Atommülltransporte zu entschärfen. Ziel sei es, dass Zwischenlager an den Atomkraftwerken genehmigt werden, um dann die Transporte zu minimieren. "Wenn jetzt das erste AKW, das ein Zwischenlager hat, trotzdem in die Wiederaufarbeitung transportiert, ist das nicht vertrauensbildend", sagte sie. Dennoch könne der Betreiberin, der Energie Baden-Württemberg AG (EnBW), das Recht auf Transporte in die Wiederaufarbeitung nicht verwehrt werden, räumte sie ein.

Die 21 Brennstäbe aus Neckarwestheim sollen am Dienstag zunächst per Lkw vom Atommeiler ins rund fünf Kilometer entfernte Walheim gebracht werden. Dort sollen sie auf Eisenbahnwaggons verladen werden und zunächst nach Frankreich fahren. Entlang der Transportstrecke ist ein 50 Meter breiter Korridor für Demonstranten gesperrt. Blockierer müssen mit empfindlichen Kostenbescheiden rechnen, da Baden-Württemberg als bisher einziges Bundesland Gebühren fürs Wegtragen von Demonstranten sowie für den Abtransport und die Zeit im Gewahrsam in Höhe von bis zu 300 Mark kassiert.

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