Atommüll : Erneut radioaktive Lauge in Asse entdeckt

In dem maroden Atomlager Asse in Niedersachsen ist an mehreren Stellen verstrahlte Lauge eingesickert. Das Bundesamt für Strahlenschutz hat Schutzmaßnahmen veranlasst.

Asse
Gefährliche Funde im maroden Atomlager Asse . -Foto: ddp

SalzgitterAuch der neue Betreiber des Atommülllagers Asse im niedersächsischen Remlingen, das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), hat schlechte Nachrichten für die Öffentlichkeit: In dem Salzbergwerk, in dem bis Ende der siebziger Jahre radioaktive Abfälle eingelagert wurden, sind bei einem Kontrollgang erneut verstrahlte Salzlösungen entdeckt worden.

Die beiden Stellen befänden sich in 925 und in 950 Meter Tiefe. Die Laugen wiesen Belastungen des radioaktiven Cäsiums von 121 Becquerel pro Liter auf sowie für Tritium von 27.000 Becquerel pro Liter. Beide Werte lägen unterhalb der Freigrenzen der Strahlenschutzverordnung. Eine Gefährdung des Betriebspersonals und der Umgebung des Bergwerks sei ausgeschlossen.

Die Behörde habe dennoch Strahlenschutzmaßnahmen veranlasst, sagte ein Sprecher. Durch die Vorkehrungen solle eine Verschleppung der Radionuklide in andere Teile der Gruben verhindert werden.

Die Lauge stammt laut BfS aus zusammengesackten Hohlräumen. Der frühere Betreiber der Schachtanlage, das Helmholtz-Zentrum in München, hatte die Salzlösungen in Grubenteile geleitet, die als Tiefenaufschluss bezeichnet werden. Da das Gestein aber porös war, waren diese Höhlen zusammengepresst worden, sodass die Lauge schließlich herausgedrückt wurde.

Bis 1978 wurden 126.000 Behälter mit schwach- und 1300 mit mittelradioaktivem Müll unter die Erde gebracht. Was genau eingelagert wurde, ist bis heute unklar. Die Asse war das weltweit erste unterirdische Lager für Atommüll. Die Genehmigung verlief problemlos, ein Planfeststellungsverfahren war gesetzlich noch nicht vorgeschrieben. Das alte Salzbergwerk wurde nach Bergrecht betrieben.

Nach etlichen Pannen und Versäumnissen wurde dem ehemaligen Betreiber, der Gesellschaft für Strahlen- und Umweltforschung (GSF), die später im Helmholtz-Zentrum München aufging, zum Jahresbeginn 2009 die Verantwortung entzogen. Seit Januar ist das BfS zuständig, das direkt dem Bundesumweltministerium untersteht. Mit dem Betreiberwechsel ging einher, dass die Schachtanlage Asse unter Atomrecht fällt.

Quelle: ZEIT ONLINE, dpa

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