Atommüll : Gorleben wird wieder erkundet

Die "Erkundung" des Salzstocks in Gorleben als Atomendlager wird nach zehn Jahren wiederaufgenommen. Zum Monatsende soll ein Antrag auf Verlängerung des Rahmenbetriebsplans aus dem Jahr 1983 gestellt werden, sagte Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU).

Dagmar Dehmer/Reimar Paul
Gorleben
Erste Proteste am Salzstock gegen Plan des Ministers. -Foto: ddp

Berlin/Hannover - Während der Sicherheitsüberprüfung wolle er die Öffentlichkeit aber über alle Schritte informieren, beteuerte Röttgen. Eine formelle Bürgerbeteiligung soll es jedoch erst dann geben, wenn sich der Gorlebener Salzstock als geeignet erweist und ein atomrechtliches Zulassungsverfahren für das umstrittene Endlager eröffnet wird.

Röttgen warf seinen zwei Vorgängern vor, „zehn Jahre aus der Verantwortung geflohen“ zu sein. Er versprach eine Überprüfung der Erkundungsarbeiten in Gorleben durch internationale Experten. In der Schweiz sind deutsche Endlagerexperten in die dortige Standortsuche einbezogen worden. Ähnliches kann sich Röttgen für Gorleben vorstellen. Nach welchen Sicherheitskriterien erkundet werden soll, wird noch zwischen Bund und Ländern verhandelt.

Röttgen betonte, dass die Erkundung wirklich „ergebnisoffen“ sei. Sie könne sowohl ergeben, dass Gorleben als Endlager geeignet sei, als auch die Nichteignung. In diesem Fall müsste in etwa zehn Jahren ein neues Standortsuchverfahren eröffnet werden. Doch angesichts der rund 1,5 Milliarden Euro, die in Gorleben investiert worden sind, halte er es für unverantwortlich, die Erkundung nicht abzuschließen.

Am Montagmorgen fuhren die ersten Demonstranten mit Treckern am Gorlebener Endlagerbergwerk vor. Einige Atomgegner ketteten sich an die Traktoren und versperrten das Zufahrtstor. Andere protestierten mit Transparenten und Sprechchören gegen die Ankündigung Röttgens. „Wir werden die Auseinandersetzung vor die Gerichte und auf die Straße tragen“, kündigte zeitgleich die Bürgerinitiative (BI) Umweltschutz Lüchow-Dannenberg in Hannover an. Die juristische und politische Gegenwehr werde Röttgens Vorhaben „mit Sicherheit kippen“. Konkret will die BI Klagen von Grundeigentümern aus unterstützen, deren Salzrechte durch die Erkundung beeinträchtigt werden.

Die Auswahl von Gorleben als Atomstandort war nach Ansicht der BI von Beginn an eine Geschichte von „Tricksereien, Mobbing und Manipulationen“. Um ihren Vorwurf zu erhärten, präsentierten die Gorleben-Gegner die CD „Geheimakte Gorleben“. Darauf finden sich – teils schon bekannte – Belege, dass Gorleben Ende der 1970er Jahre keineswegs aus wissenschaftlichen Gründen, sondern aus politischem Kalkül ausgewählt wurde. Ferner finden sich darin einige Vermerke, wonach sich die Bundesregierung noch im Jahr 1981 für Untersuchungen anderer Standorte aussprach, weil die Bohrergebnisse in Gorleben Zweifel an der Eignung des Salzstocks nahelegten. Dagmar Dehmer/Reimar Paul

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