Atommüll : Mehr als 7000 Menschen protestieren gegen Castor

Der Atommülltransport von Frankreich nach Gorleben wurde durch eine Blockade an der französischen Grenze gestoppt. Tausende demonstrierten zudem in Niedersachsen gegen das Eintreffen des Transports.

Castor
16.000 Polizisten schützen den Castor-Transport in Deutschland. -Foto: ddp

Berg/GorlebenMit einer Blockade in Rheinland-Pfalz haben Aktivisten den Atommülltransport von Frankreich ins niedersächsische Gorleben aufgehalten. Nach Angaben eines Polizeisprechers ketteten sich in Berg drei Atomkraftgegner an das Gleisbett an. Es handle sich um eine Frau und zwei Männer. Die Bundespolizei sei im Einsatz, um die Demonstranten von den Gleisen zu lösen. Nach Angaben von Atomkraftgegnern ketteten sich die drei Personen an einen Betonblock, der zuvor unter den Bahnschwellen versteckt worden war.

Durch die Blockade musste der Atommülltransport gestoppt werden. Seit 13.15 Uhr befindet er sich dem Sprecher zufolge in Lauterbourg im französischen Elsass direkt an der Grenze zu Deutschland. Durch die Blockade komme es zu Verzögerungen. Derzeit befinde man sich aber noch im Zeitplan, sagte der Polizeisprecher.

Rund 7000 Menschen bei Protestkunstgebung

Der Transport mit Atommüll aus der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague soll bei Wörth in der Südpfalz die Grenze passieren und anschließend voraussichtlich über Karlsruhe und Heilbronn durch Baden-Württemberg in Richtung Norden rollen. Vor dem Eintreffen des Atommüll-Transportes im niedersächsischen Wendland haben am Samstag in Gorleben Tausende Atomkraftgegner aus ganz Deutschland demonstriert. Nach Angaben der Polizei kamen rund 7000 Menschen zu der Protestkundgebung. Begleitet von einem großen Polizeiaufgebot zogen die Atomkraftgegner zum Atommüll-Zwischenlager. Hubschrauber kreisten über dem Ort.

"Wir brauchen kein Endlager für verbrauchte Brennstäbe, sondern ein Endlager für radioaktive Politiker", war auf einem der zahlreichen Transparente zu lesen. Auch die "Bäuerliche Notgemeinschaft" unterstützte die Proteste mit zahlreichen Traktoren.

Unter den Demonstranten war auch die Grünen-Spitze mit Claudia Roth, Renate Künast und dem designierten Parteichef Cem Özdemir. "Ich verstehe die Anwesenheit der Parteien so, dass es mit Parlamentsarbeit nicht getan ist, sondern dass es auch den Druck von der Straße braucht", sagte Jochen Stay, der Sprecher der Anti-Atom- Initiative "X-tausendmal quer".

Während in Deutschland tausende Demonstranten in Erwartung des Atommülltransports protestierten, fanden sich in Frankreich vereinzelte Gruppen von Atomkraftgegnern am Rande der Bahnstrecke. Im französischen Städtchen Réding, knapp 50 Kilometer südlich von Saarbrücken, protestierte rund ein Dutzend Anhänger der Organisation "Sortir du nucléaire" (Ausstieg aus der Atomkraft) gegen den Zug, der in elf Waggons 123 Tonnen Atommüll transportiert. In Frankreich wurde der Transport von Polizisten und einem Hubschrauber begleitet, in Deutschland wird er von rund 16.000 Polizisten geschützt.  (saw/ddp/dpa/AFP)

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