Atommüll : Radioaktive Lauge wurde 1988 im Endlager Asse ausgekippt

Schon 1988 hat das Helmholtz-Zentrum offenbar strahlende Flüssigkeit aus dem sogenannten Laugensumpf abgepumpt.

Dagmar Dehmer

Berlin - Der frühere Betreiber des maroden Atomendlagers Asse in Niedersachsen ist mit radioaktiv verseuchten Lösungen noch sorgloser umgegangen als bisher bekannt. Schon 1988 hat das Helmholtz-Zentrum offenbar strahlende Flüssigkeit aus dem sogenannten Laugensumpf vor der Einlagerungskammer 12 auf der 750-Meter-Sohle abgepumpt. Die Lösung wurde in Stahlblechbehältern mit einem Gabelstapler in die Kammer elf auf der 700-Meter-Sohle transportiert. „Dort sind die Lösungen aus den Behältern auf die dort geschichteten Gesteinsbrochen der teilverfüllten Kammer abgelassen worden“, teilte das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) als neuer Betreiber mit.

Das BfS beruft sich auf die Aussage eines Bergmanns vom Dezember 2008. Die 1988 abgepumpte Flüssigkeit sei mit radioaktivem Cäsium, Kobalt 60, Strontium 90 und Tritium verseucht gewesen. „Um welche Mengen es sich gehandelt hat, und wo die radioaktiv kontaminierten Laugen verblieben sind, ist nicht bekannt“, schreibt das BfS.

Bisher war bekannt, dass seit 2005 radioaktiv kontaminierte Salzlösung aus dem „Laugensumpf“ abgepumpt worden ist. Im vergangenen Jahr war monatelang darüber gestritten worden, woher diese Lösungen stammen. Das Helmholtz-Zentrum vermutete, sie könnten von einem Unfall in den 70er Jahren während der Einlagerungszeit stammen. Doch das niedersächsische Umweltministerium geht inzwischen davon aus, dass die Laugen aus den schwach radioaktiven Abfällen, die in der Kammer 12 eingelagert sind, stammen. Denn diese waren zum Teil in undichten Fässern angeliefert worden.

Das BfS berichtet zudem, dass zwischen 1984 und 1986 Lösungen „unbekannter Herkunft“ aus der 750-Meter-Sohle bei der Verfüllung einer Salzabbaukammer auf der 658-Meter-Sohle eingesetzt worden seien. Sie sollten damals den Staub binden. „Ob diese Lösungen kontaminiert waren, ist noch nicht bekannt“. Noch bis Mitte 2008 war die kontaminierte Lauge vor der Kammer 12 „durch ein Bohrloch“ in einen Bereich es ehemaligen Salzbergwerks in 975 Meter Tiefe gebracht worden. Das Helmholtz-Zentrum hatte damit im Jahr 2005 begonnen. Eine Genehmigung dafür hat es jedoch nie gegeben.

Das Helmholtz-Zentrum ist ein Forschungszentrum, das vollständig vom Bundesforschungsministerium finanziert wird. Nachdem die Pannen in Asse bekannt geworden waren, übertrug die Regierung die Verantwortung für das Endlager an das BfS.Dagmar Dehmer

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