Atommüll : Regierung Kohl schönte Gorleben-Gutachten

Die Gutachten zum atomaren Endlager wurden offenbar unter Druck der Regierung Kohl manipuliert. Neue Dokumente belegen: Einige Risiken wurden bewusst verschwiegen.

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Das Erkundungsbergwerk in Gorleben - die Regierung Kohl wollte offenbar nachhelfen, damit der Salzstock zum Atommüll-Endlager...Foto: dpa

MünchenBei der Beurteilung des Salzstocks Gorleben als potenzielles Atommüllendlager in den 1980er Jahren wurde offenbar politischer Einfluss auf die Gutachter genommen. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, soll die christlich-liberale Bundesregierung von Helmut Kohl massiv auf die Wissenschaftler eingewirkt und sie zu beschönigenden Beurteilungen gedrängt haben, berichtet das Blatt.

Die Zeitung beruft sich dabei auf einen bislang nicht an die Öffentlichkeit gelangten Schriftverkehr. Aus einem Fernschreiben vom 13. Mai 1983 geht demnach hervor, dass die Ministerien für Forschung und für Inneres unter den Ministern Heinz Riesenhuber (CDU) und Friedrich Zimmermann (CSU) die zuständige Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) zum Umschreiben eines maßgeblichen Gutachtens angehalten habe.

Damals war ein wegweisender Bericht zu Gorleben in der Schlussphase. Er sollte die Ergebnisse zu Gorleben zusammentragen und letztlich klären, ob der Salzstock auch unter Tage erkundet werden kann. Zu diesem Zeitpunkt sollen die beiden Ministerien aber bereits über die Zukunft des Standorts entschieden haben: Sie wollten unbedingt ein Endlager Gorleben, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Entsprechend habe man die Gutachter angehalten, die Risiken herunterzuspielen. So sei unter anderem die Gefahr, dass radioaktive Substanzen ins Grundwasser gelangen könnten, in dem Bericht beschönigt worden.

Erstmals gibt es somit einen Beleg für die Einflussnahme der damaligen schwarz-gelben Bundesregierung auf die Vorbereitungen zu Gorleben, berichtet das Münchner Blatt.

Auch bei Asse-Beurteilung gab es Unregelmäßigkeiten

Damit ist Gorleben nach Asse das zweite Atommülllager, das aufgrund fehlerhafter Gutachten unter der schwarz-gelben Koalition als Endlager benannt wurde. Seit 1968 wurden in dem ehemaligen Salzbergwerk Asse in Ostniedersachsen schwach und mittel radioaktive Abfälle in Fässern eingelagert. Offiziell ging es um die Erprobung dieser Lagertechnik. 1978 wurde die Einlagerung beendet, nachdem eine Änderung des Atomrechts in Kraft getreten war, die für die Unterbringung weiterer Fässer ein aufwendiges Genehmigungsverfahren erfordert hätte.

126.000 Fässer mit strahlender Substanz liegen seither in dem unterirdischen Salzstock. Seit Jahren dringt Wasser in das ehemalige Bergwerk ein – die frühere schwarz-gelbe Bundesregierung ignorierte diese Missstände. Vor Kurzem war schließlich bekannt geworden, dass in der Schachtanlage dreimal so viel Plutonium liegt wie bisher angenommen.
 

Quelle: ZEIT ONLINE, dpa

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