Politik : Atommüll-Transport vorzeitig gestartet

Drei Waggons mit Castor-Behältern verlassen Gundremmingen / Atomkraftgegner blockieren Kraftwerkseingang WALHEIM/AHAUS (AFP/dpa).Unter massivem Polizeischutz hat am Donnerstag in Süddeutschland der Atommüll-Transport ins westfälische Ahaus begonnen.Ein Zug mit drei Castor-Behältern verließ am frühen Nachmittag das Atomkraftwerk (AKW) im bayerischen Gundremmingen.Nach einem Stopp in Offingen fuhr der Zug weiter in Richtung Walheim in Baden-Württemberg.Im dortigen Kohlekraftwerk sollte der Konvoi mit drei weiteren Castor-Behältern aus dem AKW Neckarwestheim zusammengelegt werden.Der LKW-Konvoi konnte aber nicht starten, weil Atomkraftgegner die Straße nach Walheim untertunnelt hatten.Atomkraftgegner hatten sich dort verschanzt, um den Transport zu behindern.Die Polizei konnte zunächst nur einen der zwei eingegrabenen Aktivisten herausziehen.Wann der komplette Transport mit den sechs Castor-Behältern von Walheim nach Ahaus weiterfahren sollte, war zunächst unklar.Nordrhein-Westfalens Innenminister Franz-Josef Kniola (SPD) erklärte in Düsseldorf, ein Termin für den Start aus Walheim stehe zunächst nicht fest.Die Entscheidung darüber werde "kurzfristig aufgrund der aktuellen Lage getroffen".Die Sicherheitskräfte in Walheim und Ahaus wurden am Donnerstag massiv verstärkt.Mehrere tausend Polizisten sammelten sich um das Atommüll-Zwischenlager in der westfälischen Kleinstadt.Demonstranten errichteten in Ahaus erste Lager.In Gundremmingen waren rund 2000 Beamte zumeist des Bundesgrenzschutzes im Einsatz, in Walheim rund 4500 Polizisten und rund tausend Grenzschützer.Den sechs Meter tiefen und 80 Zentimeter breiten Tunnel unter der Bundesstraße 27 hatte die Polizei erst am Morgen entdeckt.Ein Sondereinsatzkommando der Polizei und Arbeiter des Straßenbauamtes konnten trotz stundenlangen Einsatzes mit Schaufeln, Spaten und einem Kleinbagger zunächst nur einen der beiden aus dem engen Erdloch herausziehen.Nach Greenpeace-Angaben beschlagnahmte die Polizei unterdessen am Kohlekraftwerk Walheim den Einsatzwagen eines privaten TV-Teams, das für die Umweltorganisation Aufnahmen machte.Vor dem Tor 2 des Atomkraftwerks in Neckarwestheim löste die Polizei laut Greenpeace eine friedliche Sitzblockade mit rund 200 Demonstranten auf.Der Atomtransport war ursprünglich erst für Mittwoch nächster Woche erwartet worden.Nach dem vorgezogenen Start des Transports versammelten sich am Nachmittag in der Innenstadt von Ahaus rund tausend Atomkraftgegner zu einer Kundgebung.Sie trugen Transparente mit Aufschriften wie "Der Castor kommt früher? Wir auch!".Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsminister Clement kritisierte den Castor-Transport in das Atomzwischenlager Ahaus als "nicht zu verantwortenden Unsinn".Es sei absurd, Atommüll unter Polizeischutz durch die Republik zu fahren, sagte er in einer Aktuellen Stunde des Düsseldorfer Landtags.

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