Politik : Atommülllager Asse: Felsbrocken bedrohen Abfälle

Reimar Paul

Wolfenbüttel - Neuer Ärger im Atommülllager Asse: In einer Einlagerungskammer in 725 Metern Tiefe drohen größere Gesteinsbrocken auf offen liegende Fässer mit schwach radioaktiven Abfällen zu krachen. Unmittelbar über den Fässern beginnen sich bereits Teile der Decke abzulösen, sagte am Mittwoch der Sprecher des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS), Florian Emrich. Sollte es zu einem von Bergleuten sogenannten Löserfall kommen, können nach Angaben der Behörde die Fässer beschädigt werden. Aufgewirbelter Salzstaub und radioaktive Partikel könnten dann in die Grubenluft und andere Bereiche des Bergwerks gelangen. Eine Gefährdung der Umgebung des Atommülllagers bestehe aber nicht.

In der betroffenen Kammer sieben lagern insgesamt etwa 8500 Fässer mit radioaktiven Abfällen. Der Hohlraum wurde bislang nicht vollständig mit Salzstaub verfüllt. Deshalb sind nur einige Fässer von einer Salzschicht ummantelt, andere ragen aus dem Salzbett heraus; sie wären der Wucht eines herabstürzenden Gesteinsbrockens schutzlos ausgesetzt. Wie groß oder schwer ein solcher Brocken wäre, konnte Emrich nicht sagen. Im Endlager Morsleben in Sachsen-Anhalt waren in den vergangenen Jahren tonnenschwere Deckenteile abgestürzt.

Um eine Zerstörung der Atommüllfässer zu verhindern, will das BfS die offen liegenden Tonnen mit Salzgrus überdecken. Darüber hinaus werde die schalige Ablösung an der Decke entfernt, kündigte Emrich an. Die Arbeiten sollen bereits in der nächsten Woche abgeschlossen sein. Emrich zufolge wurden die sich lösenden Salzbrocken in der Decke von Kammer sieben bei einer Befahrung des Bergwerks am vergangenen Montag entdeckt. Ähnliche Schäden gibt es in der Einlagerungskammer vier. Auch dort kann die Decke jederzeit einstürzen. In Kammer vier befinden sich rund 6000 Atommüllfässer. Das BfS hat den Verschluss zu diesem Hohlraum inzwischen mit Beton verstärkt.

Im früheren Salzbergwerk Asse wurden nach offiziellen Angaben zwischen 1967 und 1978 insgesamt etwa 126 000 Fässer mit schwach- und mittelradioaktiven Abfällen deponiert. Dabei kam es zu zahlreichen Unregelmäßigkeiten. Vor kurzem wurde bekannt, dass auch chemische Abfälle wie Asbest und Pflanzenschutzmittel sowie Tierkadaver in die Asse verklappt wurden. Voraussichtlich ab Juni soll ein Untersuchungsausschuss des niedersächsischen Landtages die Pannen in dem Atommülllager untersuchen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben