Politik : Atommülllager Asse schon vor 30 Jahren über Grenzwert

Wolfenbüttel - Im Atommülllager Asse im Kreis Wolfenbüttel sind Grenzwerte für Radioaktivität offenbar schon früher überschritten worden als bislang bekannt. In einem der Nachrichtenagentur ddp vorliegenden Schreiben vom 30. Mai 1978 erklärte das damalige Bergamt Goslar, der Grenzwert für das radioaktive Gas Radon werde „bei Austritt der Wetter aus dem Schacht um das 3,5-fache überschritten“. Die Wetter ist ein nahe gelegener Fluss. Am Zaun der Anlage werde der Grenzwert eingehalten.

Weiter heißt es in dem Brief, für das radioaktive Gas Tritium liege zwar noch keine Grenzwertüberschreitung vor, „mit ihr sei aber in absehbarer Zeit zu rechnen“. In dem an das übergeordnete Oberbergamt Clausthal-Zellerfeld gerichteten Schreiben bat das Bergamt Goslar um eine Betriebsgenehmigung.

In das Atommülllager wurden bis 1978 insgesamt rund 126 000 Fässer mit schwach- und mittelradioaktiven Abfällen gebracht. Vor wenigen Wochen war bekanntgeworden, dass ein Teil der in das Bergwerk dringenden Lauge mit Cäsium und anderen radioaktiven Stoffen belastet ist. Grenzwerte wurden bis um das Elffache überschritten. Nach Angaben des Asse-Betreibers Helmholtz Zentrum München sind die Kontaminationen seit Anfang der 1990er Jahre bekannt. Seit 2005 wurde die cäsiumhaltige Lauge auf die tiefste Sohle des Bergwerks abgepumpt, das niedersächsische Umweltministerium hat dieses vor kurzem untersagt. Die Cäsium-Funde werden auf einen Unfall beim Einlagern oder kaputte Atommüllfässer zurückgeführt. Radon entsteht beim Zerfall von Uran und kommt in unterschiedlichen Konzentrationen überall in der Umwelt vor.

Die Grünen-Führung hat unterdessen Aufweichungsversuche am Atomausstiegs-Kurs in der eigenen Partei strikt zurückgewiesen. Grünen-Chef Reinhard Bütikofer nannte Vorstöße zu längeren Laufzeiten des früheren Grünen-Politikers Hubert Kleinert „Ratschläge eines ehemaligen grünen Granden aus dem politischen Off“. ddp/dpa

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