Atommülllager : Lauge sickert in den Gorlebener Salzstock

Wie am Samstag bekannt wurde, dringt in den Gorlebener Salzstock Lauge ein. Im Atommülllager Asse II, das als "Versuchsanlage für Gorleben" gilt, sorgte dies Anfang des Jahres zu erheblicher Einsturzgefahr.

Gorleben/HamburgNeben dem Atommülllager Asse II sickert offenbar auch in den Gorlebener Salzstock Lauge. Der Umweltausschuss des niedersächsischen Landtags fordert genaue Informationen über die mögliche Gefährlichkeit der Zuflüsse in dem Erkundungsbergwerk Gorleben, berichtet die in Bremen erscheinende Tageszeitung "Weserkurier" am Samstag. Demnach bestätigten sowohl das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) als auch das niedersächsische Umweltministerium das Vorhandensein von Salzlösungen. Diese sollen aber natürlichen Ursprungs sein.

Obwohl das Gorlebener Bergwerk stets als trocken bezeichnet werde, seien dort mindestens 160.000 Liter Lauge zugeflossen, sagte der Ausschuss-Vorsitzende und Grünen-Fraktionschef Stefan Wenzel am Samstag. Im Atommülllager Asse seien die Laugenzuflüsse "der Anfang vom Ende“ gewesen. Er fügte hinzu: "Wir müssen aus den Fehlern lernen, die in der Asse gemacht wurden." Die Parallelen zwischen beiden Salzstöcken müssten nun benannt und aufgearbeitet werden. "Schließlich war die Asse ein Prototyp für Gorleben."

Die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg erklärte, "permanente Wassereinbrüche" beim Abteufen eines Schachtes hätten den Ausbau des Endlagerbergwerks begleitet. Nach Angaben des BfS handelt es sich bei den Flüssigkeiten in Gorleben nicht um Zutritte von außen, sondern um sogenannte Formationswässer, Reste des vor 240 Millionen Jahren gebildeten Zechsteinmeeres. "Es gibt keinen Kontakt zum Deckgebirge", sagte ein BfS-Sprecher dem "Weserkurier".

Einsturzgefährdetes Atommülllager Asse II diente als "Versuchsanlage für Gorleben"

Wie das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" am Samstag vorab berichtete, diente das einsturzgefährdete Atommülllager Asse II der Energiewirtschaft bis in die 1980er Jahre hinein als Entsorgungsnachweis für radioaktiven Müll. Das ergebe sich aus atomrechtlichen Genehmigungen, die das Bundesumweltministerium jetzt auf Anfrage der Bundestagsabgeordneten Sylvia Kotting-Uhl (Grüne) vorlegte. Außerdem galt das Bergwerk im niedersächsischen Remlingen demnach intern als "Versuchsanlage für Gorleben".

Gorleben ist ein möglicher Standort für ein Endlager für hochradioaktiven Atommüll. Der Salzstock wird bereits seit Ende der 1970er Jahre auf seine Tauglichkeit untersucht. Im Jahr 2000 wurden die Arbeiten unterbrochen, das Moratorium gilt für höchstens zehn Jahre. Während die Energiewirtschaft, Union und FDP auf eine Fortsetzung der Arbeiten drängen, wollen SPD und Grüne auch andere Standorte prüfen lassen. (jm/ddp)

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