Atommülllager : Regierung will Asse sanieren

Plutonium in einem Salzbergwerk, in das Wasser eindringt – Kanzlerin Merkel und Umweltminister Gabriel dringen nun auf eine Sanierung des maroden Atommülllagers Asse.

Asse
Atommülllager Asse. -Foto: ddp

BerlinDarin sind sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) einig: Sie haben eine rasche Sanierung des maroden Atommülllagers Asse in Niedersachsen zugesichert. Gabriel geht von einer Entscheidung über die Sanierung noch in diesem Jahr aus. "Ich bin sicher, dass wir Ende des Jahres diese Entscheidung treffen können", sagte er im ARD-Morgenmagazin. Merkel sagte: "Wir haben den Stier jetzt bei den Hörnern gepackt." Die Asse werde "ordentlich saniert" und es werde "ein Weg gefunden wird, bei dem sich keiner Sorgen machen muss".

Die Kanzlerin lobte indirekt auch das Vorgehen Gabriels. Die Bundesregierung habe gesagt, die Asse müsse die Aufgabe des Bundesamts für Strahlenschutz werden und es müsse eine genaue Analyse geben. "Mit dieser schonungslosen Analyse wird dann auch das Thema bewältigt werden können."

Gabriel will sich am Vormittag im niedersächsischen Remlingen gemeinsam mit dem Präsidenten des Bundesamtes für Strahlenschutz, Wolfram König, zu möglichen Konzepten zur Sanierung des Lagers äußern. Zur Sanierung liegen laut Gabriel drei Vorschläge vor. Offen ist, ob der radioaktive Müll aus dem Bergwerk herausgeholt werden muss oder nur umgelagert werden kann. Dritter Vorschlag sei die Auffüllung mit Beton.

Der Umweltminister sagte, es gebe für die Bevölkerung "keine akute Gefährdungen durch Radioaktivität. Aber es gibt Langzeitgefährdungen." Auch diese müssten ausgeschlossen werden. "Es kann nicht sein, dass hier sozusagen 'Deckel drauf und Augen zu' gemacht wird."

Offenbar wurde jahrelang nach diesem Motto verfahren: In die Asse bei Wolfenbüttel waren von 1967 bis 1978 schwach und mittel radioaktive Abfälle eingelagert worden. Seit Jahren dringt Wasser in das ehemalige Salzbergwerk ein – doch die damalige schwarz-gelbe Bundesregierung ignorierte diese Missstände. Am Wochenende war schließlich bekannt geworden, dass in der Schachtanlage dreimal so viel Plutonium liegt wie bisher angenommen.

Beide Politiker sprachen in ihren Interviews auch weitere Aspekte der Atomkraft in Deutschland an. So betonte Gabriel in puncto Gorleben, er rechne nicht mehr damit, dass es in dem niedersächsischen Ort ein Endlager für Atommüll geben werde: "Ich glaube, dass Gorleben aus dem Spiel ist." Nun müsse es in Deutschland endlich einen Vergleich anderer möglicher Standorte nach internationalen Kriterien geben.

Kanzlerin und CDU-Chefin Merkel hingegen warnte vor einem zu schnellen Atomausstieg. "Wir haben sehr, sehr gute Vorstellungen von den Sicherheitsanforderungen." So würden auch in Finnland und Frankreich neue Atomkraftwerke gebaut, Italien und Großbritannien stiegen ebenfalls wieder in die Technologie ein. Allerdings fügte Merkel hinzu: Wenn es andere Möglichkeiten als die Atomenergie gebe, etwa mit erneuerbaren Energien oder mehr Energiesparen, "würde ich das immer vorziehen, weil die Folgen natürlich geringerer Natur sind".

Quelle: ZEIT ONLINE, dpa

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