Atompolitik : Ethikkommission hält Atomausstieg bis 2021 für möglich

Die von Kanzlerin Merkel eingesetzte Ethikkommission hält Presseberichten zufolge den vollständigen Atomausstieg bis spätestens 2021 für machbar. Die bereits vom Netz genommenen acht Meiler sollen demnach abgeschaltet bleiben.

Das von dem Stromkonzern RWE betriebene Atomkraftwerk Biblis in Südhessen.
Das von dem Stromkonzern RWE betriebene Atomkraftwerk Biblis in Südhessen.Foto: dpa

Die abgeschalteten sieben ältesten deutschen Reaktoren und das Kraftwerk Krümmel könnten ohne Gefährdung der Versorgungssicherheit vom Stromnetz getrennt bleiben, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" unter Berufung auf einen Entwurf für den Abschlussbericht der Ethikkommission. Das Papier mit dem Titel "Deutschlands Energiekonsens - ein Gemeinschaftswerk Energiezukunft Deutschland" soll Ende des Monats veröffentlicht werden.

Demnach sollen "die nach den Maßstäben der Reaktorsicherheit als "sicher" geltenden Anlagen schnellstmöglich in der Reihenfolge ihres verbleibenden Risikos und ihrer Bedeutung im Stromnetz abgeschaltet werden". Das Jahr 2021 sei ein Datum für den endgültigen Ausstieg aus der Kernenergie. Bestenfalls könne das letzte AKW "schon deutlich eher" abgeschaltet werden.

Das Papier wurde "Spiegel online" zufolge von den beiden Kommissionsvorsitzenden - dem früheren Bundesumweltminister Klaus Töpfer und dem Präsidenten der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Matthias Kleiner - verfasst. Der Kernsatz laute: "Die Ethik-Kommission empfiehlt einen vollständigen Ausstieg aus der Kernenergie. Der Ausstieg ist nötig, um Risiken grundsätzlich auszuschließen." Aus der Anhörung der Kommission am 28. April habe sich ergeben, dass 2021 ein machbares Enddatum sei.

Bei den ökonomischen Konsequenzen des Ausstiegs wagten Töpfer und Kleiner keine Prognose, wie stark der Strompreis steigen könnte. Die genannten Szenarien lägen zwischen 0,1 Cent und 5 Cent pro Kilowattstunde, berichtet "Spiegel online". Doch der Ausstieg aus der Kernenergie sei "ein Wachstumstreiber". Die Energiewende biete "enorme technische, ökonomische und gesellschaftliche Chancen für die weitere Profilierung Deutschlands als Exportnation im Hinblick auf nachhaltige Produkte und Dienstleistungen".

Bis zum 28. Mai will die Ethikkommission einen Bericht vorlegen. Dieser soll der Bundesregierung bei ihrer für Juni geplanten Entscheidung darüber helfen, wie viele Atomkraftwerke in Deutschland dauerhaft vom Netz gehen sollen und bis wann der letzte der 17 Meiler abgeschaltet wird. An diesem Wochenende ist eine Klausurtagung des Gremiums geplant. (dpa)

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