Atomstreit : Ahmadinedschad nennt Sanktionen "Totgeburt"

Irans Präsident Ahmadinedschad ist bemüht, die wachsende Kritik im eigenen Land an dem kostspieligen Atomprogramm zu entkräften. Gleichzeitig kündigte Teheran umfassende Militärmanöver im Süden des Landes an.

Teheran/Washington - Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat die Sanktionen der Vereinten Nationen gegen sein Land als "Totgeburt" bezeichnet. Iran werde sein Atomprogramm nicht aufgeben, sagte er in Teheran. Gleichzeitig kündigte die Führung in Teheran neue Militärmanöver im Süden des Landes an, die noch am Sonntag beginnen sollten.

"Die Resolution gegen Iran war eine Totgeburt, die lediglich ihrem Ansehen (dem der Vetomächte) geschadet hat", sagte der Präsident bei der Vorlage des neuen Haushalts im Parlament. Der Sicherheitsrat hatte im Atomstreit am 23. Dezember Strafmaßnahmen verhängt, um Iran zur Aufgabe der Urananreicherung zu zwingen. "Selbst wenn sie noch zehn weitere solcher Resolutionen verabschiedeten, würde das (...) keine Auswirkungen auf unsere Wirtschafts- und Atompolitik haben", fügte Ahmadinedschad hinzu.

Wachsende Kritik im eigenen Land

Einige "Kosten und Risiken" seien für die Errungenschaften in der Atomtechnologie notwendig, sagte Ahmadinedschad zu wachsender Kritik im eigenen Land. Seine Gegner fürchten eine internationale Isolation. Das iranische Parlament hat nach Informationen der französischen Tageszeitung "Le Monde" vor sozialen Unruhen gewarnt, sollten UN-Sanktionen durchgesetzt werden. Das gehe aus einem Bericht des Außen- und Verteidigungsausschusses vom September 2006 hervor.

In den USA warnten die Demokraten unterdessen vor einem Militärschlag gegen Iran, dem die Bush-Regierung auch Unterstützung von Terrorgruppen im Irak vorwirft. Nach den Worten von US-Außenministerin Condoleezza Rice wollen die USA den Konflikt im Irak jedoch nicht durch Militäraktionen gegen Iran verschärfen. "Wir wollen keine Eskalation. Unser Plan ist es, auf die iranischen Aktivitäten zu reagieren, die uns schaden", sagte Rice dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel".

Bush schließt militärische Mittel nicht aus

Bush hatte zuvor zwar betont, im Streit um das iranische Atomprogramm nicht auf militärische Mittel setzen zu wollen, sie aber auch nicht ausgeschlossen. Die USA werfen Teheran zudem vor, Angriffe auf amerikanische Einheiten im Irak zu unterstützen. In der vergangenen Woche hatten US-Soldaten im Nordirak fünf Iraner, die in einer Art staatlichen Handelsvertretung in Erbil arbeiteten, festgenommen. Sie werden von den USA verdächtigt, Extremisten unterstützt zu haben.

Die militärischen Drohungen der USA seien nichts Neues und nur ein weiterer Versuch, Iran den Willen Washingtons aufzuzwingen, sagte das Mitglied des iranischen Sicherheitsrates, Ali Laridschani. (tso/dpa)

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