Atomstreit : Bush droht Nordkorea

US-Präsident George W. Bush hat Nordkorea für seinen Atomwaffentest drastische Konsequenzen angedroht: Im UN-Sicherheitsrat werde man dafür sorgen, dass es ein "ernsthaftes Nachspiel geben wird", sagte Bush.

Washington/Brüssel/Genf - Zwischen den USA und Ländern wie China und Russland herrsche Einigkeit darüber, dass Nordkorea in einer "starken Resolution des Sicherheitsrats" aufgefordert werden müsse, "zu seinen internationalen Verpflichtungen zu stehen und seine Atomprogramme aufzugeben".

Die USA behielten sich "alle Optionen vor, um unsere Freunde und unsere Interessen in der Region gegen die Bedrohungen aus Nordkorea zu schützen", sagte Bush. Sein Land fühle sich aber weiter der Diplomatie verpflichtet. Bush kündigte an, in Reaktion auf den mutmaßlichen Atomwaffentest in Nordkorea die militärische Zusammenarbeit mit den Partnern der USA auszubauen. Dies gelte insbesondere auch für Raketenabwehrsysteme. Dadurch solle ein "Schutz vor nordkoreanischen Aggressionen" geschaffen werden.

Die von Nordkorea geforderten bilateralen Gespräche zwischen Washington und Pjöngjang lehnte Bush erneut ab. Die USA seien zu Gesprächen mit Nordkorea bereit, allerdings nur im Rahmen der Sechs-Länder-Verhandlungen mit China, Russland, Südkorea und Japan. "Bilaterale Verhandlungen haben nicht funktioniert", sagte Bush. Dies habe das Abkommen gezeigt, das beide Länder im Jahr 1994 geschlossen hätten. Nordkorea habe sich nicht an die Vereinbarung gehalten, die Entwicklung von Atomwaffen auszusetzen, sagte Bush.

EU-Kommissarin: Weiter Hilfe für Nordkorea

EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner forderte, die humanitäre Hilfe aufrecht zu erhalten. Einerseits müsse die internationale Gemeinschaft gegenüber Nordkorea handeln, andererseits habe die Bevölkerung des Landes außerordentlich gelitten, sagte Ferrero-Waldner. "Daher möchte ich die humanitäre Hilfe, die wir leisten, aufrechterhalten und die Menschen nicht noch mehr in Gefahr bringen." Auch der EU-Außenbeauftragte Javier Solana verwies auf die Armut der Hunger leidenden nordkoreanischen Bevölkerung.

Der Koordinator der Vereinten Nationen für Hilfseinsätze, Jan Egeland, forderte, Sanktionen gegen das kommunistische Land dürften nicht die Lebensmittellieferungen beschränken. "Die Lebensmittelhilfe muss fortgesetzt werden und sie muss von den Geberländern großzügig unterstützt werden", sagte Egeland in Genf. Es sei üblich, dass seine Organisation vom UN-Sicherheitsrat bei Beratungen über Sanktionen angehört werde, um die humanitären Auswirkungen einzuschätzen. Wenn die Sanktionen die internationale Hilfe beträfen, "werden es nicht die Führer sein, die in diesem Winter erfrieren, sondern die Schwächsten", unterstrich der Nothilfekoordinator.

Nordkorea erhält seit einer Hungersnot in den 90er Jahren internationale Hilfe. Damals starben rund eine Million Menschen. Südkorea stellte nach dem mutmaßlichen Atomwaffentest vom Montag seine Nothilfe für das Nachbarland ein. (tso/AFP)

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