Atomstreit : "Das sind keine leeren Drohungen gegen Iran"

Selbst israelische Sicherheitsexperten bezweifeln, dass Irans Nuklearprogramm mit einigen Luftschlägen außer Kraft gesetzt werden könnte. Ein Knesset-Abgeordneter sieht das anders.

Ruth Ciesinger

BerlinIsaac Ben-Israel lässt keine Zweifel zu. Ob Israel Atomanlagen im Iran angreifen würde, sollte Teheran die Urananreicherung nicht einstellen? „Denken Sie an die Geschichte und daran, was wir schon getan haben“, sagt der Knesset-Abgeordnete und frühere Luftwaffengeneral. „Das sind keine leeren Drohungen.“

Schon zweimal hat Israel zu militärischen Mitteln gegriffen, um die nuklearen Ambitionen eines Nachbarn zu durchkreuzen. 1981 bombardierte die Luftwaffe den im Bau befindlichen Reaktor Osiris im Irak – Ben-Israel leitete damals die entsprechende Planungsgruppe. Im September 2007 zerstörten Kampfflieger in Syrien den Al-Kibar-Komplex, der nach Ansicht der USA mittels nordkoreanischer Expertise gebaut wurde. Jetzt habe man „vielleicht noch ein, zwei Jahre Zeit“, sagt Ben-Israel, bis der Iran eine Bombe produzieren könne. Diesen Zeitpunkt aber werde Israel nicht abwarten.

Der Abgeordnete, der zur Kadima-Partei von Premier Ehud Olmert gehört, besucht eine Konferenz in Berlin. Doch schon im Frühjahr gehörte er, schrieb „Haaretz“, zu einer Gruppe von 15 Abgeordneten, die im Auftrag der israelischen Regierung europäische Politiker und Journalisten über die iranische Bedrohung informieren sollten. Dies tut er auch jetzt, denn Israel gehen die Sanktionen gegen den Iran nicht nur nicht weit genug. Nach Ansicht vieler Politiker zeigen sie bisher auch keine Wirkung, und sie drängen, wie Ben-Israel, darauf, diese zu verschärfen.

In inzwischen drei Resolutionen hat der UN-Sicherheitsrat Strafmaßnahmen gegen den Iran beschlossen, um ihn zum Stopp der Urananreicherung zu bringen. Die meisten Länder gehen davon aus, dass Irans Atomprogramm nicht nur friedlichen Zwecken dient. Doch die Folgen eines Militärschlags gegen Teheran werden ebenfalls als katastrophal eingeschätzt – und selbst israelische Sicherheitsexperten bezweifeln, dass Irans Nuklearprogramm mit einigen Luftschlägen außer Kraft gesetzt werden könnte.

Ben-Israel teilt die Bedenken nicht. „Mit einer modernen Luftwaffe“ wäre das „technisch einfach“. Weitere Konsequenzen fürchtet er nicht: „Der Iran bedroht unsere Existenz einmal in der Woche“, sagt er. „Eine Veränderung gäbe es nur, wenn er die Bombe hätte.“

An seinen direkten Grenzen bemüht sich Israel nun, die instabile Lage zu beruhigen. Nach dem Waffenstillstandsabkommen mit der Hamas hat die Regierung dem Libanon Friedensgespräche angeboten, mit Syriens Präsident Assad würde Ehud Olmert „direkte Friedensgespräche“ führen. Gerade eine Annäherung mit Syrien könnte auch dem Ziel dienen, das Ben-Israel so formuliert: „Wir müssen alles Mögliche tun, um den Iran zu isolieren“.

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