Atomstreit : Erst nach Anerkennung als Atomstaat will der Iran verhandeln

Im Atomstreit mit dem Westen ist die Lage für Präsident Mahmud Ahmadinedschad ganz einfach: Der Iran ist nach erfolgreicher Urananreicherung bereits ein Atomstaat und muss in Zukunft dementsprechend behandelt werden.

Teheran - Die iranischen Wissenschaftler sollen ihre Arbeit solange weiterführen, bis das Land Brennstoff für Atomkraftwerke eigenständig produzieren kann. Zugleich betont Ahmadinedschad, der Iran wolle die Atombombe nicht und einen Krieg auch nicht - aber falls es doch zu einem Krieg kommen sollte, «wird den Aggressoren die Hand abgehackt».

Ahmadinedschad mag zwar mit seinem Populismus bei seinen Anhängern im Volk punkten, doch sowohl Chefunterhändler Ali Laridschani als auch Außenminister Manuchehr Mottaki zeigen, dass sie die Sache doch nicht so einfach sehen. «Bei rationalen Vorschlägen sind wir gesprächsbereit», sagt Laridschani, aber die Drohkulisse des Westens müsse abgebaut werden. Auch Mottaki zeigt sich weiter flexibel, «nur brauchen Verhandlungen eine vernünftige Basis». Um sich immer nur Ultimaten des UN-Sicherheitsrats anzuhören, alle Atomprojekte einzustellen, brauche man sich nicht zusammensetzen, so der Außenminister.

Iran hat den Atomwaffensperrvertrag vor über 30 Jahren unterschrieben und ist Mitglied der Internationalen Atomenergiebehörde (IEAO). Daher sieht sich das Land auch berechtigt, zivile Atomtechnologie zu betreiben. Darüber hinaus habe die IAEO - «außer ein paar kleinen Missverständnissen, die einfach zu beheben sind» - keinen Bruch der internationalen Vorschriften feststellen können. «Man kann doch nicht von uns erwarten, Verpflichtungen nachzugehen, aber von den Vorteilen nichts zu haben», sagt Mottaki. Ganz abgesehen davon, dass der Erzfeind Israel nicht mal IAEO- Mitglied ist, aber Atombomben besitze.

Tehran will deshalb nach Angaben aus informierten Kreisen eine zeitlich unbefristete Einstellung der Urananreicherung nicht annehmen. Wenn aber eine «vernünftige zeitliche Frist» vorgeschlagen würde, wäre ein Kompromiss noch möglich. Voraussetzung sei jedoch, dass nach dieser Frist das iranische Atomprogramm von der IAEO und dem Westen endgültig anerkannt wird. «Bis jetzt hatten wir solch einen Vorschlag noch nicht», sagte IAEO-Botschafter Ali-Asghar Soltanieh. In diesem Rahmen - wäre auch der Moskauer Vorschlag - Urananreicherung auf russischem Territorium - wieder ein Thema. In diesem Fall jedoch sollte dem Iran, unter strenger IAEO-Aufsicht, Forschungsarbeiten erlaubt werden, hieß es weiter.

Er sehe Vorteile in dem iranischen Vorschlag, der «auch dem Weltfrieden gut tun würde», sagte ein osteuropäischer Diplomat in Teheran. «Noch ist nichts passiert, der Ölpreis aber schon über 70 Dollar, man will sich gar nicht vorstellen, wie der Preis aussehen würde, falls es zu einem Konflikt kommen oder der Iran die (für den internationalen Ölhandel wichtige) Straße von Hormus blockiert», sagte der Diplomat.

In dem kompromisslosen Kurs Ahmadinedschads sehen Beobachter den Versuch einer Ablenkung von den vielen wirtschaftlichen Versprechen, die der Präsident auch neun Monate nach Amtsantritt noch nicht umsetzen konnte. Erste Kritik kam von einem Weggefährten von Ex- Präsident Mohammad Chatami, Hassan Rohani. «Der jetzige Stand der Dinge ist prekär», sagte der frühere Atom-Chefunterhändler. Teheran könne sich doch von der ganzen Welt nicht einfach isolieren und müsse daher eine Konfrontation mit der Weltgemeinschaft vermeiden. Der Ex- Chefunterhändler meinte, «die Kunst der Diplomatie besteht darin, mit einem Minimum an Kosten zum Ziel zu kommen, nicht aber eine Politik ohne Berücksichtigung der möglichen Konsequenzen zu führen.» (tso/dpa)

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