Atomstreit : IAEA setzt Zusammenarbeit mit Iran teilweise aus

Offenbar als Reaktion auf die anhaltend renitente Haltung Irans im Streit um das Atomprogamm des Landes will die Atomenergiebehörde IAEA die Zusammenarbeit mit Teheran drastisch einschränken.

Wien - Die technische Zusammenarbeit mit Iran wurde in bestimmten Bereichen um die Hälfte reduziert, wie es in einem Report der IAEO-Führung an den Gouverneursrat der Atombehörde heißt. Insgesamt wird die Wiener Behörde 22 von 55 Projekten vorläufig stoppen. Zuvor hatte der iranische Atom-Chefunterhändler Ali Laridschani ein Treffen mit IAEO-Direktor Mohammed el Baradei in Wien kurzfristig abgesagt.

Wie aus dem Bericht hervorgeht, wird die IAEO nicht alle der strittigen Projekte komplett "einfrieren", sondern sie noch in ihren einzelnen Elementen überprüfen. Der UN-Sicherheitsrat hatte am 23. Dezember einstimmig eine Resolution (1737) mit Sanktionen gegen den Iran beschlossen. Darin wird die IAEO aufgefordert, alle Aktivitäten zu stoppen, die dem Iran bei dem Bemühen um Atomwaffen helfen könnten.

Atombehörde prüft alle laufenden Projekte

Nur noch solche Projekte werden aufrechterhalten, die eindeutig "der Nahrungsmittelproduktion, Landwirtschaft, Medizin, Sicherheit oder humanitären Zwecken" dienten. Die Atombehörde werde darüber hinaus alle anderen laufenden Projekte weiter daraufhin überprüfen, ob sie den Bestimmungen des Atomwaffensperrvertrags entsprechen.

Zu den von der IAEO bisher direkt geförderten und technologisch unterstützten Nuklearprogrammen gehört unter anderem die Produktion und Entwicklung von Strahlungsquellen und von Mitteln für die Radiotherapie und gezielte Krebsbehandlung.

Der Gouverneursrat hatte bereits im November einen Antrag Teherans auf technische Unterstützung für den Bau des umstrittenen Schwerwasserreaktors bei Arak abgelehnt. In dem Reaktor, in dem der Iran offiziell radiologische Mittel zur Behandlung von Krebskranken entwickeln will, würde im laufenden Betrieb spaltbares Plutonium entstehen, mit dem ohne weitere Anreicherung Atomwaffen gebaut werden könnten.

Der Sicherheitsrat verdächtigt Teheran, den Besitz von Atomwaffen anzustreben. Die iranische Regierung bestreitet dies seit Jahren. (tso/AFP/dpa)

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben