Atomstreit mit Nordkorea : Pjöngjang: USA am Zuge

Das Tauziehen um die Nordkoreanischen Atomanlagen geht weiter. Pjöngjang will erst einen Reaktor schließen, wenn die USA ihre Finanzsanktionen aufheben.

Pjöngjang - Sechs Wochen nach Ablauf der Frist zur Stilllegung des Atomreaktors in Yongbyon wies Vizeaußenminister Kung Sok Ung am Mittwoch in Pjöngjang die Forderungen asiatischer und europäischer Staaten zurück, die Vereinbarung vom 13. Februar zur Schließung des Reaktors jetzt ohne weitere Verzögerung zu erfüllen. Erst müssten die USA die Finanzsanktionen aufheben und die strittigen 25 Millionen US-Dollar von freigegebenen nordkoreanischen Konten in Macao nach Nordkorea überwiesen werden, zitierte ihn der Vorsitzende der deutsch-koreanischen Parlamentariergruppe, Hartmut Koschyk (CSU), nach einem Gespräch in der nordkoreanischen Hauptstadt.

Bei ihrem Treffen in Hamburg hatten die Außenminister der 43 Staaten im ASEM-Verbund am Dienstag gefordert, Nordkorea solle den Reaktor umgehend stilllegen. "Der erste Knopf ist noch nicht geöffnet", sah dagegen Nordkoreas Vizeaußenminister erst die USA am Zuge. Er sicherte aber zu, dass nach einer Lösung des Problems mit dem Geldtransfer "sofort" die Atomanlage stillgelegt und die Inspekteure der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO) ins Land gelassen werden. "Dann werden wir unsere Verpflichtung sofort erfüllen", sagte Kung Sok Ung laut Koschyk, der Nordkorea mit der deutsch-koreanischen Parlamentariergruppe des Bundestages besucht.

Der Vizeaußenminister bedauerte, dass bereits 100 Tage seit dem Durchbruch im Rahmen der Sechs-Länder-Gespräche im Februar in Peking vergangen seien, ohne dass die USA ihre Verpflichtung erfüllt hätten und die 25 Millionen Dollar in nordkoreanischen Händen seien. Es gehe nicht um diese Summe, sondern um das grundsätzliche Vertrauen in die USA, die eine Lösung des Problems bis Mitte März versprochen hatten. Die 25 Millionen konnten trotz der politischen Einigung nicht überwiesen werden, weil internationale Banken aus Angst vor US-Sanktionen das Geld nicht anfassen wollen, weil es nach amerikanischer Darstellung mit illegalen Finanzaktivitäten Nordkoreas in Verbindung steht. (tso/dpa)

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