Atomstreit : Nordkorea lädt Atominspekteure ein

Im Tauziehen um das nordkoreanische Atomprogramm will Pjöngjang seine Nuklearanlagen wieder von internationalen Inspekteuren untersuchen lassen. Im Gegenzug erhält das Regime rund 20 Millionen Dollar, die auf Konten in Macao konfisziert worden waren.

Seoul/WienNordkorea hat Inspekteure der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) zu Gesprächen über die Abschaltung seiner umstrittenen Nuklearanlagen eingeladen. Ein entsprechendes Schreiben des Leiters der nordkoreanischen Atombehörde ging bei der IAEO in Wien ein. Die Einladung stellt den ersten konkreten Schritt Nordkoreas zur Erfüllung seiner Abrüstungszusagen vom Februar im Streit um sein Atomwaffenprogramm dar. Die Zusammenarbeit mit der IAEO hatte das kommunistische Land vor knapp fünf Jahren abgebrochen.

In dem Schreiben aus Pjöngjang wird die Einladung der IAEO-Arbeitsgruppe nach Angaben der nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA damit begründet, dass die Freigabe nordkoreanischer Gelder bei einer Bank in Macao, die bislang durch US-Finanzsanktionen blockiert waren, die "letzte Phase" erreicht habe. Mit der IAEO-Arbeitsgruppe sollen "Diskussionen über die Vorkehrungen der IAEO zur Nachprüfung und Beobachtung" der Schließung der Nuklearanlagen in Yongbyon geführt werden.

Weißes Haus: "Guter Schritt"

Eine IAEO-Sprecherin bestätigte den Eingang des Schreibens. Über das weitere Vorgehen wolle die IAEO am Montag beraten. Nach einem Besuch in Nordkorea im März hatte IAEO-Generaldirektor Mohammed el Baradei erklärt, dass Pjöngjang wieder zu einer Kooperation mit der IAEO unter der Bedingung bereit sei, dass die US-Finanzsanktionen gegen das Land aufgehoben würden.

Die USA und Südkorea begrüßten unterdessen die Ankündigung aus Pjöngjang. "Das ist ein guter Schritt", sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Scott Stanzel. Regierungsbeamte in Seoul sahen nach Berichten des südkoreanischen Rundfunksenders KBS darin eine positive Entwicklung auf dem Weg zur Schaffung einer Nuklearwaffen-freien koreanischen Halbinsel.

Weitere Sechser-Gespräche Ende Juni?

Bisher hatte sich Nordkorea wegen der Verzögerungen beim Transfer der vormals unter US-Sanktionen gesperrten Gelder in Macao geweigert, die bei den so genannten Sechs-Länder-Gesprächen vereinbarten ersten Abrüstungsschritte im Gegenzug zu Energielieferungen zu unternehmen. Am Donnerstag teilten die Finanzbehörden der chinesischen Sonderverwaltungszone jedoch mit, dass mehr als 20 Millionen Dollar auf die nordkoreanischen Konten aus Macao transferiert worden seien.

Der US-Sondergesandte Christopher Hill sagte nach Berichten der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap bei einem Besuch in der Mongolei, dass die Sechser-Gespräche Ende Juni oder Anfang Juli wieder aufgenommen werden könnten. An den Verhandlungen nehmen Nordkorea, die USA, China, Südkorea, Russland und Japan teil.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben