Atomstreit Nordkorea : Obama kehrt zu strengem Kurs zurück

Gestern weiche Diplomatie für die Freilassung zweier Journalistinnen, heute wieder mehr Härte: Der US-Präsident hat Pjöngjang aufgefordert, das Nuklearprogramm aufzugeben.

WashingtonNach der Freilassung zweier US-Journalistinnen aus nordkoreanischer Haft hat US-Präsident Barack Obama die Regierung in Pjöngjang erneut zum Stopp ihres Atomprogramms aufgefordert. Für Nordkorea gebe es einen Weg, die Beziehungen zu den USA zu verbessern, sagte Obama in einem Interview des Fernsehsenders MSNBC. "Dazu gehört, dass sie nicht länger Atomwaffen entwickeln, dass sie kein provozierendes Verhalten an den Tag legen."

Der ehemalige US-Präsident Bill Clinton und Ehemann der amtierenden Außenministerin Hillary Clinton hatte am Dienstag in Pjöngjang die Haftentlassung der beiden Journalistinnen erreicht. Nach Clintons Gespräch mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Il hatte der Diktator Angaben zufolge die Journalistinnen begnadigt. Die Journalistinnen waren im März bei Filmarbeiten am Grenzfluss zwischen China und Nordkorea festgenommen und wegen Grenzverletzung zu zwölf Jahren Arbeitslager verurteilt worden.

US-Außenministerin Hillary Clinton sagte in Nairobi, es gebe keine Verbindung zwischen den Bemühungen um eine Freilassung der Frauen und dem Atomprogramm Nordkoreas. Die Freilassung der beiden Frauen aus nordkoreanischer Haft sei eine humanitäre Mission gewesen, betonte auch Obama. "Präsident Clinton reiste im Namen der Familien." Die US-Regierung erklärte weiter, dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Il sei keine Gegenleistung für die Freilassung der beiden Frauen in Aussicht gestellt worden.

Politische Beobachter hatten spekuliert, das Treffen zwischen Bill Clinton und Kim Jong Il könne den Auftakt für bilaterale Gespräche über Nordkoreas Atomprogramm bilden. Das kommunistische Land hat die Weltgemeinschaft in den vergangenen Monaten mit einem Atom- und mehreren Raketentests gegen sich aufgebracht und den Verhandlungen über sein Atomprogramm den Rücken gekehrt.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon appellierte an das kommunistische Regime, zu den Sechs-Parteien-Gesprächen über das Atomprogramm des Landes zurückzukehren. Er hoffe, dass der Dialog zwischen Nordkorea und den beteiligten Parteien schnellstmöglich wieder aufgenommen werden könne. Im April hatte Nordkorea seinen unwiderruflichen Rückzug von den seit 2003 laufenden Gesprächen über den Abbau seines Atomwaffenprogramms erklärt. Das Land reagierte damit auf die Verurteilung des Starts einer nordkoreanischen Langstreckenrakete durch den Weltsicherheitsrat. An den Sechs-Parteien-Gesprächen sind außer Nordkorea und den USA auch China, Südkorea, Japan und Russland beteiligt.

Quelle: ZEIT ONLINE, Reuters, cs

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