Atomstreit : Nordkorea verfügt angeblich über mehrere Atomtestgelände

Südkoreanische Medien berichten, dass das Regime in Pjöngjang möglicherweise unterirdische Anlagen für Atomtests nutzt.

Zwei bis drei dieser Testgelbiete könnten in der abgelegenen Gegend um Pyunggyeri im Bezirk Kilchu eingerichtet worden sein, berichtete die nationale Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf Geheimdienstkreise. Dort hatte Nordkorea seine bisherigen zwei Atomversuche unternommen. Es gebe bisher jedoch keine Anzeichen für einen weiteren Test in der Gegend.

Südkoreas Präsident Lee Myung Bak reiste unterdessen in die USA. Lee wird am Dienstag US-Präsident Barack Obama treffen, um unter anderem über die wachsenden Spannungen im Atomstreit mit Nordkorea zu sprechen.

Es werde erwartet, dass beide über Wege der Zusammenarbeit beraten, "die vollständige und überprüfbare atomare Abrüstung in Nordkorea zu erreichen", teilten Mitarbeiter Lees mit. Südkoreas Präsident wolle sich darum bemühen, dass die USA auch in schriftlicher Form zusichern, dass Südkorea unter "atomarem Schutzschild" stehe, sagte ein Beamter der Agentur Yonhap.

In Südkorea wird befürchtet, dass Nordkorea als Reaktion auf den Sanktionsbeschluss des Weltsicherheitsrats weitere Kernwaffen- und Raketentests durchführen könnte. Der Sicherheitsrat hatte mit der Resolution am Freitag auf den jüngsten Atomversuch des kommunistischen Landes reagiert.

Daraufhin hatte das Regime Pjöngjans am Samstag erneut Kriegsdrohungen ausgesprochen und angekündigt, weitere Atomwaffen bauen zu wollen. Man befinde sich erst in einer "frühen Phase einer unbeschränkten Konfrontation mit den USA", hieß es in einer Erklärung der nordkoreanischen Regierung.

Die südkoreanische Zeitung Joongang Ilbo schrieb, dass Geheimdienste in Südkorea und den USA nach dem Atomtest vom 25. Mai die Gegend um elf unterirdische Anlagen in Nordkorea verstärkt beobachteten.

Nach Schätzungen des militärischen Geheimdienstes in Südkorea gebe es im Nachbarland rund 8200 Militäranlagen unter der Erde, deren Tunnel eine Gesamtlänge von 547 Kilometern hätten.

Das russische Militär berichtete, dass die Aktivitäten an Nordkoreas Atomanlagen in den vergangenen Tagen zurückgegangen sind. Allerdings sei nicht klar, ob dies auf einen bevorstehenden neuen Atomtest hinweise oder ob die Arbeiten unterbrochen worden seien, zitierte die Nachrichtenagentur RIA Nowosti hochrangige Kreisen.

Durch den Start einer nordkoreanischen Langstreckenrakete im April und einen zweiten Atomtest in Nordkorea am 25. Mai haben sich die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel und international erheblich verschärft.

ZEIT ONLINE, sh, dpa, Reuters

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