Atomstreit : Sorge über iranisches Säbelrasseln

Iranische Meldungen über einen Durchbruch in der Atomanreicherung sorgen für Aufregung. Internationale Experten bezweifeln das Szenario zwar als bloße Propaganda, doch politische Reaktionen auf die Provokation sind bereits erfolgt - auch in Deutschland.

Teheran - Westliche Diplomaten und Nuklearexperten halten die Ankündigung der iranischen Behörden für einen Bluff: "Das Ziel der Islamischen Republik Iran ist nicht bloß der Aufbau von 3000 Zentrifugen in der Anlage von Natans", hatte der Chef der iranischen Atomenergiebehörde, Gholamresa Aghasadeh der iranischen Nachrichtenagentur Irna erklärt und damit die Welt in Aufruhr versetzt. "Wir haben alles geplant, um 50.000 Zentrifugen zu installieren."

Damit hatten er und Präsident Mahmud Ahmadinedschad am Montag mitgeteilt, dass die Urananreicherung in Natans nun auf industriellem Niveau erfolge. Doch genau diese Angaben sind umstritten. Die britische Zeitung Guardian berichtete beispielsweise von Schätzungen der Uno, nach denen Iran dort bis jetzt nur 1000 Zentrifugen installiert hat, mit denen bis jetzt noch kein Uranium angereichert worden sei.

Natans wurde vor allem wegen der nahe gelegenen Nuklearanlage bekannt. Tief unter der Erde wird in fußballfeldgroßen Hallen Uran angereichert. Laut Angaben der Internationale Atomernergiebehörde reicht das dort angereicherte Uran nur als Brennstoff für Atomkraftwerke, aber nicht für eine militärische Nutzung. Vor einem Jahr hatte Iran angekündigt, dass in Natans die Anreicherung von 3,5-prozentigem Uran gelungen sei, für den Bau einer Atombombe ist aber ein Anreicherungsgrad von mehr als 90 Prozent erforderlich. Inspektoren der Behörde werden diesen Monat routinemäßig die Anlage in Natans besuchen, sie sind bereits in Teheran eingetroffen.

Zweifel an Angaben

Die Angaben der iranischen Regierung werden international angezweifelt. Das Moskauer Außenministerium teilte mit, man habe "keine Erkenntnisse" über einen technischen Fortschritt. Auch ein europäischer Diplomat, der in die aktuellen Atomverhandlungen involviert ist, bezweifelte gegenüber der New York Times die iranischen Verlautbarungen. Von iranischer Seite würden im Gegenteil ernsthafte Vorschläge unterbreitet, die Drohung sei vor allem ein politischer Schachzug, sagte er.

Am Montag hatte die iranische Regierung den 9. April zum Tag der Nukleartechnologie erklärt und weiterhin jedwede Verhandlungen über sein umstrittenes Atomprogramm ausgeschlossen, solange der Westen als Vorbedingung dafür die Aussetzung der Urananreicherung verlange. Der iranische Außenminister Manuchehr Mottaki sagte vor Journalisten in Teheran, sein Land sei zu Gesprächen ohne eine solche Vorbedingung bereit, die "andere Seite sollte jedoch etwas Neues vorlegen". Doch auch wenn das iranische Säbelrasseln nur politische Taktik ist, bleibt es Anlass zur Sorge.

Die Europäische Union unterstrich deshalb, dass Teheran die Beschlüsse des UN-Sicherheitsrats einhalten solle. Iran müsse sich "an die Regeln des Nichtverbreitungsvertrags halten", sagte eine Sprecherin von EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner in Brüssel. Ähnlich hatte sich zuvor UN-Generalsekretär Ban Ki Moon geäußert. Der französische Außenminister Philippe Douste-Blazy bezeichnete die jüngsten iranischen Ankündigungen als "schlechtes Zeichen". Zugleich rief er Teheran in einer Erklärung zum Dialog mit der Sechsergruppe aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien sowie China, Russland und den USA auf.

"Größte Gefahr für Frieden"

In Deutschland hat die Nachricht um den potentiellen Durchbruch der iranischen Atomanreicherung eine erneute Debatte über den Aufbau eines Raketenabwehrsystems ausgelöst, wie es derzeit von den USA geplant wird. Unions-Außenexperte Eckart von Klaeden (CDU) forderte angesichts des iranischen Atomprogramms ein Nachdenken über den Aufbau eines Raketenabwehrsystems ein. Deutschland müsse sich Gedanken machen, wie man sich gegen einen atomar bewaffneten Iran schützen könne. "Dazu gehört, dass wir innerhalb der Nato mit größerer Entschlossenheit die Debatte über ein Raketenabwehrsystem führen", so von Klaeden. (tso/AFP/ddp/dpa)

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