Atomstreit : Teheran will Rückkehr an Verhandlungstisch

Im Streit um sein Atomprogramm ist Iran offenbar zu erneuten Verhandlungen mit der EU bereit. Indes kritisierte Präsident Ahmadinedschad den Westen wegen dessen "Doppelmoral".

Teheran - Die iranische Regierung hat die EU zur Rückkehr an den Verhandlungstisch aufgefordert, um doch noch eine Lösung im Atomstreit zu finden. Einen entsprechenden Appell richtete das Außenministerium in Teheran am Samstagabend an Deutschland, Großbritannien und Frankreich, die für die EU verhandeln. Eine Einigung müsse die Herstellung von iranischen Brennstäben für seine Atomkraftwerke sichern. Gleichzeitig solle sie den friedlichen Charakter des iranischen Atomprogramms garantieren, hieß es in der Erklärung des Ministeriums.

Teheran warnte den Westen davor, Maßnahmen gegen Iran einzuleiten. Dies könne zu ernsten Konsequenzen führen. Das Außenministerium erinnerte daran, dass «ein Großteil des iranischen Atomprogramm immer noch auf freiwilliger Basis suspendiert» sei. Dies könne sich ändern.

Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad hatte zuvor vor einer Überweisung des Streits an den Weltsicherheitsrat gewarnt. Dies könne den Weltfrieden gefährden. «Der Sicherheitsrat ist kein Gremium zur Durchsetzung der Forderungen des Westens», sagte der iranische Präsident auf einer Pressekonferenz am Samstag in Teheran. Der EU- Chefdiplomat Javier Solana sagte unterdessen, er lehne eine militärische Lösung im Fall Iran entschieden ab. «Ein militärisches Vorgehen gegen Iran steht außer Frage», sagte der EU-Koordinator für Außen- und Sicherheitspolitik der «Bild am Sonntag».

Die Entscheidung der Europäer, den UN-Sicherheitsrat anzurufen, bedeute «keineswegs ein Ende der Verhandlungen», sagte Solana dem Blatt. «Im Gegenteil, wir favorisieren weiterhin eine diplomatische Lösung. Doch ist es nun an der Regierung in Teheran, uns ihr Entgegenkommen zu signalisieren.»

Ahmadinedschad sagte in Teheran, Iran brauche keine Kernwaffen, da das Land über eine lange Geschichte und eine reiche Kultur verfüge. Nur solche Länder, die Konflikte durch Gewaltanwendung lösen wollten, bräuchten Atomwaffen. Iran hingegen sei «ein Land der Religion und der Moral». Er kritisierte die «Doppelmoral» westlicher Länder, die bereits Atomwaffen besäßen, anderen Ländern den Besitz aber vorenthalten wollten. (tso/dpa)

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