Atomstreit : US-General befürchtet Krieg mit Iran

Der frühere Nato-Oberbefehlshaber Wesley Clark traut US-Präsident Bush einen Militärschlag gegen Iran zu. Das hätte seiner Ansicht nach aber "katastrophale Folgen".

Hamburg - Die USA und Iran steuern nach Ansicht des US-Generals a.D. Wesley Clark (62) auf eine militärische Auseinandersetzung zu. Die US-Regierung "bastelt an dem Fall Iran", sagte der ehemalige Nato-Oberbefehlshaber dem Online-Magazin stern.de. "Man muss diesen Präsidenten schon beim Wort nehmen. Und er sagt, dass er einen nuklear bewaffneten Iran nicht akzeptieren wird", sagte Clark mit Blick auf US-Präsident George W. Bush. "Der Präsident setzt auf Eskalation. Ich fürchte, es wird zu einer militärischen Konfrontation mit Iran kommen. Mit katastrophalen Folgen."

Kurz vor der am Samstag in München beginnenden Sicherheitskonferenz, an der auch der neue US-Verteidigungsminister Robert Gates teilnimmt, übte Clark auch heftige Kritik an der Irak-Politik der Bush-Regierung. Die angekündigte Truppenverstärkung um 21.500 Soldaten komme viel zu spät und sei nur ein taktisches Manöver. "Wir stehen an einem Wendepunkt. Die Strategie der USA ist falsch, vollkommen falsch. Das Schreckliche ist: wir können diesen Krieg nicht mehr gewinnen", sagte Clark.

Clark gegen Abzug der US-Truppen im Irak

Trotzdem sprach sich der Vier-Sterne-General gegen einen Abzug der US-Truppen aus. "Die Invasion war ein Fehler. Aber es wäre jetzt auch ein Fehler, die Truppen abzuziehen oder ein festes Datum zu setzen. Das würde den Irak ins Chaos stürzen oder zur Entstehung eines radikalen islamistischen Staates führen", sagte Clark, der sich im Jahr 2000 um die Präsidentschaftskandidatur für die Demokraten beworben hatte und als möglicher Kandidat für die Wahlen 2008 gilt. Um den Konflikt im Irak zu lösen, plädiert Clark für direkte Gespräche der USA mit den Nachbarländern, vor allem mit Iran, und für ein "ernsthaftes Bemühen, den israelisch-palästinensischen Konflikt zu lösen".

Zugleich sprach sich der General für eine Verstärkung der Nato-Truppen in Afghanistan aus. Auch Deutschland müsse bereit sein, mehr Soldaten zu schicken, sagte er. "Die Zahl der Aufständischen steigt, während wir jeden Tag weiter zurückfallen. Es ist bereits sehr, sehr spät für uns." (tso/dpa)

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