Atomstreit : Verwirrende Botschaften aus Pjöngjang

Nordkorea hat einer erneuten Öffnung der Grenze zu Südkorea für Touristen und Familienzusammenführungen zugestimmt. Zugleich aber hat es mit einem Atomschlag gedroht.

PjöngjangDer abgeschottete Atomstaat im Norden der koreanischen Halbinsel bleibt unberechenbar: Zum einen hat das Land von Kim Jong Il seine Truppen in Alarmbereitschaft versetzt, zum anderen will es laut staatlicher Nachrichtenagentur KCNA die Landesgrenze nach Südkorea für neue Treffen von getrennt lebenden Familien aus beiden Ländern sowie für Touristenbesuche aus dem Nachbarland wieder durchlässiger machen.

Zuvor hatte dieselbe Agentur jedoch vermeldet, dass Nordkorea den USA und Südkorea mit einem Atomschlag gedroht habe, sollten beide Länder ihrerseits den Norden mit Atomwaffen bedrohen. Dafür hat Pjöngjang seine Truppen und die Bevölkerung in "spezielle Alarmbereitschaft" versetzt. Grund ist eine alljährliche Militärübung der US-Streitkräfte mit Südkorea, die am Montag begonnen hat und bis zum 27. August dauern soll. Das gemeinsame Militärmanöver sieht vor allem Computersimulationen und Kommunikationsübungen vor.

Nordkorea verurteilt solche Übungen regelmäßig als Vorbereitung für eine Invasion und einen Atomkrieg. Auch diesmal heißt es in einer Erklärung des Oberkommandos der Volksarmee, dass beide Staaten einen Angriff vorbereiteten. Auf jede Provokation werde Nordkorea mit einem "erbarmungslosen und vernichtenden Schlag gegen die Aggressoren mit sämtlichen offensiven und defensiven Mitteln, einschließlich seiner atomaren Abschreckung", Vergeltung üben, wurde das Militär von den staatlichen Medien des kommunistischen Landes zitiert.

Südkoreas Verteidigungsministerium maß den Äußerungen aber keine große Bedeutung bei und spielte die Erklärung als routinemäßige Reaktion auf das gemeinsame Manöver mit den USA herunter. In Nordkorea seien keine "ungewöhnlichen" Bewegungen des Militärs erkennbar, sagte ein Sprecher in Seoul.

Die südkoreanische Regierung um Präsident Lee Myung Bak hatte dem Nachbarland erst am Samstag die Hand gereicht und an die Führung in Pjöngjang appelliert, einen neuen Anlauf zur Abrüstung zu unternehmen. Die Reduzierung konventioneller Waffen und der Truppenstärke setze gewaltige Ressourcen zur Verbesserung der Konjunkturen auf beiden Seiten frei, sagte Lee. "Die Zeit ist gekommen, dass der Norden und der Süden sich an einen Tisch setzen und über diese Dinge sprechen." Zudem erneuerte der Präsident sein Angebot, dem verarmten Norden im Gegenzug für den Stopp seines Atomprogramms unter die Arme zu greifen.

Der Moment für diese Initiative schien günstig. Mit der Freilassung von zwei verhafteten US-Journalistinnen und eines koreanischen Arbeiters sendete Nordkorea Anfang des Monats Zeichen der Entspannung. Dazu passen auch die anderen Aussagen aus Nordkorea: Demnach hat sich Machthaber Kim Jong Il mit dem südkoreanischen Hyundai-Konzern darauf geeinigt, dass wieder Touristen nach Nordkorea einreisen dürfen und ab Oktober auch Familienzusammenführungen wieder möglich sind. Die Hyundai Group betreibt einen Ferienpark für Südkoreaner im Norden und ein Gewerbegebiet jenseits der Grenze. Beides sind lukrative Einnahmequellen für die nordkoreanische Führung.

Südkorea hatte die Touren zum Kumgang-Gebirge im Sommer 2008 nach tödlichen Schüssen eines nordkoreanischen Soldaten auf eine südkoreanische Touristin ausgesetzt. Einer Wiederaufnahme der Reisen müsste die Regierung in Seoul zustimmen.

Quelle: ZEIT ONLINE, kg, dpa, Reuters

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