Politik : Atomtransporte: Behälter nach Frankreich rollen wieder

Robert Birnbaum

Zum ersten Mal seit zweieinhalb Jahren dürfen wieder Atomtransporte zur Wiederaufarbeitung nach Frankreich rollen. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) in Salzgitter hat acht Transporte aus den Kraftwerken Stade, Biblis und Philippsburg bis zum Jahresende genehmigt. BfS-Chef Wolfram König erklärte, es sei nun sichergestellt, dass bei den Transporten die Grenzwerte für Strahlenbelastung nicht mehr überschritten würden. Der erste Transport aus Philippsburg geht vermutlich schon im Oktober ab.

Im Zusammenhang mit dieser Genehmigung hat das Bundesumweltministerium von den Akw-Betreibern den Nachweis gefordert, dass die in der Wiederaufarbeitungsanlage La Hague anfallenden Plutonium-Mengen tatsächlich auch schadlos wieder verwertet werden. Sollten die Betreiber diesen Nachweis nicht lückenlos führen können, müssten sie damit rechnen, dass die Transporte zur Wiederaufarbeitung bereits früher als im Atomkonsens vereinbart im Jahr 2005 endgültig verboten werden.

Die Kohl-Regierung hatte im Mai 1998 alle Atomtransporte gestoppt, nachdem bekannt geworden war, dass die Industrie jahrelang radioaktive Belastungen an der Außenhülle der Transportbehälter vertuscht hatte. Das Problem war beim Beladen der Behälter mit abgebrannten Brennelementen aus den Abkling-Becken der Atomkraftwerke entstanden. Inzwischen sind dafür neue Verfahren entwickelt worden. Außerdem soll ein System von Prüf- und Melderegeln sicherstellen, dass radioaktive Verschmutzungen künftig nicht mehr unbemerkt bleiben können. Für das nächste Jahr sind weitere 46 Transporte geplant, die Genehmigung steht aber noch aus. Die bereits genehmigten innerdeutschen Transporte ins Zwischenlager Ahaus dürften nach Angaben aus der Branche erst im Frühjahr fällig sein.

Umwelt-Staatssekretär Rainer Baake hat derweil von den Akw-Betreibern den Nachweis verlangt, dass das bei der Wiederaufarbeitung anfallende Plutonium komplett verwertet wird. Bisher stellte sich das Problem nicht, weil die zehn deutschen Akw, die Plutonium verarbeiten können, eine unbefristete Betriebsgenehmigung hatten. Mit dem Atomkonsens wird dieser Betrieb aber befristet. Die Betreiber sollen daher vorrechnen, dass sie die noch in La Hague lagernden und durch neue Transporte anfallende Plutoniummengen bis zum Betriebsende verbrennen können.

» Mehr Politik? Tagesspiegel lesen + 50 % sparen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar