Politik : Atomunion zwischen Rom und Paris

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Paris - Frankreich und Italien wollen ihre Zusammenarbeit bei der Atomenergie verstärken. Bei dem alljährlichen Gipfel der beiden Länder, zu dem sich Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy und der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi am Freitag in Paris trafen, stand dieses Thema im Mittelpunkt. „Wir wollen Hand in Hand mit den italienischen Unternehmen arbeiten, um den Nuklearbereich zu entwickeln“, erklärte Sarkozy danach. Die beiden Länder wollen auch mehr im Militärbereich kooperieren.

Frankreich setzt darauf, maßgeblich an der Atomrenaissance und dem Bau von neuen Reaktoren in Italien beteiligt zu werden. Paris und Rom hatten bereits vergangenes Jahr ein Abkommen zur Zusammenarbeit im Nuklearbereich beschlossen. Dabei ging es darum, dass Frankreich Italien bei der Rückkehr zur Atomkraft unterstützen soll, unter anderem beim geplanten Bau von vier Atomreaktoren vom Typ des Hochdruckreaktors EPR. Spätestens 2013 plant Italien mit dem Bau eines Atomkraftwerkes zu beginnen. „Wir hoffen die internationale Ausschreibung für die Reaktoren zu gewinnen“, hieß es aus dem Elyséepalast. Um unabhängiger vom Öl und Gas zu werden, will Italien im Jahr 2030 ein Viertel seiner Elektrizität durch Nuklearenergie gewinnen.

Die Kooperation zwischen Paris und Rom wird in Zukunft noch konkreter. Mehrere zusätzliche Vereinbarungen wurden in Paris getroffen. So beschlossen beide Seiten die technische Zusammenarbeit des staatlichen französischen Atomkonzerns Areva und des italienischen Unternehmens Ansaldo bei den EPR-Reaktoren. Der französische Energiekonzern Electricité de France (EDF) und der italienische Energieversorger Enel arbeiten schon eng zusammen. So ist Enel auch an dem französischen Hochdruckreaktor EPR in Flamanville beteiligt. EDF könnte in Italien beim Bau der Kraftwerke mitwirken.

Ein weiterer Punkt betraf die italienische Atomsicherheitsbehörde, bei deren Aufbau Frankreich Hilfestellung leisten soll. Außerdem sollen italienische Ingenieure von den Franzosen ausgebildet werden. Seit dem Referendum über das Ende der Atomenergie in Italien im Jahr 1987 fehlt das Know-how in diesem Bereich.

Die Atomnation Frankreich fährt seit langem eine Strategie der Expansion seiner Nuklearindustrie und arbeitet an der Wettbewerbsfähigkeit seiner Konzerne in dem Bereich. Die Franzosen haben sich zudem in den letzten Jahren unter anderem durch die Übernahme des Energiekonzerns British Energy und einer Teilhabe an dem US-Konzern Constellation Energy Einfluss auf dem britischen und amerikanischen Atommarkt gesichert. Erst kürzlich hatten sie in den Vereinten Arabischen Emiraten allerdings das Nachsehen. Südkorea schnappte ihnen einen Großauftrag in der Atomindustrie weg.

Bei dem Gipfel ging es auch um die militärische Zusammenarbeit. Es wurde die Gründung einer französisch-italienischen Brigade von Gebirgsjägern besiegelt, die nach dem Vorbild der deutsch- französischen Brigade im Jahr 2013 einsatzfähig sein soll. Sie soll sich auch an Auslandseinsätzen beteiligen, „vor allem in Afghanistan“, erklärte der Elyséepalast. Tanja Kuchenbecker

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