Atomzug : Castor-Transport rollt nach Lubmin

Die fünf Castoren aus der Wiederaufarbeitungsanlage in Karlsruhe rollen inzwischen weitgehend ungehindert in Richtung Osten. Nur am Ausgangspunkt hatten in der Nacht mehrere hundert Atomkraftgegner die Gleise blockiert.

Der Castor-Transport aus Karlsruhe hat sein Ziel in Lubmin erreicht. In der Nacht hatten Atomkraftgegner unter anderem bei Ludwigslust, in Schwerin, bei Ribnitz-Damgarten und nahe Stralsund mit Blockadeaktionen den Transport mehrfach aufgehalten. Am Mittwoch verhinderten Aktivisten der Umweltorganisation Robin Wood mit einer Abseilaktion von einer Brücke bei Schkopau in Sachsen-Anhalt die Weiterfahrt.Weitere Bilder anzeigen
Foto: dapd
17.02.2011 08:36Der Castor-Transport aus Karlsruhe hat sein Ziel in Lubmin erreicht. In der Nacht hatten Atomkraftgegner unter anderem bei...

Die Atomkraftgegner wurden von der Polizei weggetragen, so dass der Transport planmäßig auf den Weg gebracht werden konnte. Am Vormittag passierte er die Landesgrenze zu Bayern und fuhr nach Angaben der Polizei knapp zwei Stunden später nach Hessen. Ziel ist das Zwischenlager in Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern. Dort wurde er in der Nacht zu Donnerstag erwartet - auch von Atomkraftgegnern.

Die ersten Kilometer galten als besonders kritische Strecke des Transports, da sie durch mehrere Wohngebiete führten. Mehr als 1000 Polizisten sicherten den Zug ab. In Karlsruhe-Neureut hatten sich rund 500 Demonstranten zu einer "Nacht-Tanz-Blockade" versammelt.

Kurz vor 23 Uhr liefen sie zu den Schienen und konnten sich auf einer Strecke von rund 200 Metern auf die Gleise setzen. Die Polizei griff zunächst nicht ein, räumte jedoch nach etwa zwei Stunden das Gelände. 310 Demonstranten wurden in Gewahrsam genommen, sind inzwischen jedoch wieder auf freiem Fuß. Sie werden wegen des Verstoßes gegen das Versammlungsrecht angzeigt. Gegen acht Protestierer wird außerdem wegen Widerstands gegen die Polizei sowie Beleidigung und Nötigung ermittelt.

Bei dem Einsatz kam es immer wieder zu kleinen Rangeleien. Die Atomkraftgegner warfen der Polizei vor, während der Räumung Pfefferspray eingesetzt zu haben. Mehrere Demonstranten seien verletzt worden. Auch ein Polizist erlitt eine Gehirnerschütterung durch einen Schlag eines Demonstranten. Bereits am Dienstag hatten sich Greenpeace-Aktivisten rund neun Stunden lang an die Gleise direkt vor der Wiederaufbereitungsanlage in Karlsruhe gekettet.

In den fünf Castoren sind 56 Tonnen radioaktiver Abfall aus der vor zwei Jahrzehnten stillgelegten Wiederaufarbeitungsanlage (WAK). Der früher als "Atomsuppe" bezeichnete stark strahlende Müll wurde verglast, um ihn transportfähig zu machen.

Die Castor-Gegner störten sich daran, dass der Atommüll aus Baden-Württemberg nicht auch hier gelagert wird. Nach ihrer Ansicht muss der strahlende Abfall in dem Bundesland bleiben, in dem er anfällt. Ihr Hauptanliegen ist jedoch, dass keine Energie mehr aus Atomkraft produziert wird. (dpa)

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